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10 Tipps für ein Gespräch zum Thema Medien

1. Nutzen Sie ihre Vorbildwirkung!

Wirkungsvoller als viele Worte ist das Verhalten der Eltern. Von Geburt an sind Sie das Vorbild Ihrer Kinder. Aus dem Familienalltag übernimmt Ihr Kind Werte, aber auch Mediennutzungsgewohnheiten und somit den Stellenwert, welchen Medien in der Familie ein­nehmen.

Überlegen Sie selbst, was Sie an Medien fasziniert und gestalten Sie Ihre täglichen Mediengewohnheiten ganz bewusst. Diese Entscheidungen haben Einfluss auf Ihre Kinder.

In einem positiven Umfeld können Gespräche über eine sinnvolle Mediennutzung Platz finden. Durch einen wertschätzenden und regelmäßigen Austausch zwischen Eltern und Kindern bzw. Jugendlichen kommen Chancen und Risiken zur Sprache. Außerdem kann man die Expertinnen- / Expertenrolle vieler Kinder und Jugendlicher zu diesem Thema bestärken und positiv nutzen. Seien Sie aber nicht nur beim Zeitpunkt und der Dauer der Nutzung, sondern auch im kritischen Umgang mit den Inhalten von Medien ein Vorbild.

2. Werfen Sie einen kritischen Blick auf die Inhalte!

Die unterschiedlichsten Medien bieten uns den Zugang zu einer schier unüberschaubaren Menge an Informationen. Werfen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Kind einen kritischen Blick auf die angebotenen Inhalte und hinterfragen Sie diese.

Filme, Spiele und nicht zuletzt das Surfen im Internet sollten dem Entwicklungsstand und den Interessen der Kinder entsprechen. Unterstützen Sie jüngere Kinder bei ihren ersten Ausflügen ins Internet und machen Sie sie mit altersgerechten Suchmaschinen, wie z. B. www.fragfinn.de, vertraut.

Diskutieren Sie wertschätzend über die Faszination von populären Sendungen und Spielen und reden Sie über Inhalte, Werte, vermittelte Rollenbilder und versteckte Werbebotschaften. Es geht hierbei nicht um den persönlichen Geschmack, sondern um Raum für Orientierung und Sicherheit bei der Auswahl aus dem Angebot.

3. Bleiben Sie im Gespräch und nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind!

Ein gutes familiäres Gesprächsklima erleichtert in schwierigen Situationen den Kontakt zu Ihrem Kind. Auch Gespräche rund um den Medienkonsum, wie zum Beispiel Handynutzung, PC-Spiele oder Fernsehzeiten, benötigen eine gute Basis, in der alle Meinungen Platz haben. Hören Sie sich die Argumente Ihres Kindes gut an, bringen Sie aber auch Ihre Sorgen und Bedenken ein und suchen Sie gemeinsam nach zufriedenstellenden Lösungen für beide Seiten. Es geht dabei nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern um echtes Interesse an den Bedürfnissen Ihres Kindes.

4. Zeigen Sie Interesse an der Mediennutzung Ihres Kindes!

Ihr Kind soll wissen, dass Sie sich dafür interessieren, wie es Medien nutzt. Im Kindesalter könnte man sich beispielsweise die Lieblingssendung gemeinsam anschauen, im Volks-schulalter miteinander am Computer spielen und in der Vorpubertät zusammen das Internet entdecken.

Interesse an Computerspielen, sozialen Netzwerken & Co bedeutet auch Interesse an der Lebenswelt Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes. Auch wenn Sie den Möglichkeiten unterschiedlicher Medien wenig abgewinnen können, sollten Sie Ihrem Kind trotzdem ehrliches Interesse entgegenbringen.

Je älter die Kinder sind, desto weniger müssen Eltern technische Hilfestellung bieten. Dennoch ist es wichtig, über Risiken zu reden und im Gespräch zu bleiben.

Eltern oder Erziehungsberechtigte sollten die Jugendlichen aber auch als Expertinnen und Experten in der Nutzung von Medien sehen und ihnen die Möglichkeit geben, bei Facebook-Einstellungen, Online­spielen, o. ä. behilflich zu sein. Die entgegengebrachte Wertschätzung schafft Vertrauen für einen intensiven Austausch. Interessieren Sie sich für die „Online-Freund­schaften“ Ihres Kindes und legen Sie Wert darauf, dass Ihr Kind reale Freundschaften ebenso pflegt. Geben Sie Ihrem Kind die Sicherheit, dass es jederzeit zu Ihnen kommen kann, wenn es etwas Unangenehmes im Internet erlebt hat.

Durch Ihr Interesse können Sie auch beobachten, in welchen Situationen sich Ihr Kind mit Medien beschäftigt, was ihm gefällt und auch wie Ihr Kind auf verschiedene Inhalte und Erlebnisse reagiert.

5. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Medien kritisch und selbstbestimmt zu nutzen!

Die Aneignung von Medienkompetenz ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe für Ihr Kind. Gemeint ist damit nicht die technische Fähigkeit, wie z. B. die Benutzung von Smartphone & Co, die schon Kleinkinder durch Nachahmung beherrschen, sondern vielmehr der kritische und selbstbestimmte Umgang mit Medien und die Fähigkeit, die Brauchbarkeit der vermittelten Inhalte für sich zu erkennen und zu nutzen.

Kinder benötigen Unterstützung bei der Auswahl von passenden Angeboten. Wählen Sie beispielsweise auf die Entwicklung Ihres Kindes abgestimmte Filme (z. B. für Vorschulkinder kurze Filme mit einer klaren Handlung und einem „Happy End“). Bedenken Sie, dass auch Fernsehen, vergleichbar mit Lesen, erst gelernt werden muss.

6. Setzen Sie klare Grenzen!

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind von klein an klare Regeln über die Nutzung von Fernsehgerät, Handy & Co. Diese Regeln sollten altersabhängig gestaltet sein und die individuelle Entwicklung Ihres Kindes berücksichtigen. Stellen Sie Regeln mit zeitlichen, inhaltlichen und später auch finanziellen Grenzen auf und reden Sie über die Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Regeln.

Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein frei einteilbares Wochenkontingent für den Medienkonsum fest, über das Ihre Tochter oder Ihr Sohn selbst verfügen kann. Setzen Sie den Entzug von Fernsehgerät, PC-Spielen oder Han­dys nicht als Strafe ein. In erster Linie gewinnt damit das Medium selbst an Bedeutung. Für Jugendliche ist das Handy eindeutig das zentrale Kommunikationsmittel, ein Verbot würde mit einer Unterbindung ihrer sozialen Beziehungen einhergehen und sollte deshalb weitgehend vermieden werden.

Fordern Sie auf jeden Fall für Ihre Familie eine medienfreie Zeit, etwa bei gemeinsamen Mahl­zeiten oder bei Tätigkeiten, welche die volle Auf­merksamkeit erfordern. Halten Sie sich unbedingt auch selbst daran. Eine Familienladestation für sämtliche Handys, die sich weitab der Schlaf-zimmer befindet, entbindet Sie von der täglichen Diskussion um das abendliche Abschalten des Handys.

So lange wie möglich sollte der Computer in einem Gemeinschaftsraum stehen, um so dem uneingeschränkten Zugang zuvorzukommen. Ein gelegentlicher Blick auf den Bildschirm gibt Aus­kunft über die Aktivitäten Ihres Kindes im Netz und zeigt Ihrem Kind gleichzeitig, dass es Ihnen nicht egal ist, wo es sich im Netz bewegt.

7. Finden Sie Alternativen zu Medien!

Gemeinsame Aktivitäten in der Familie bieten eine gute Möglichkeit, um Alternativen zum Medienkonsum zu entdecken. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr, was Sie miteinander tun, sondern dass Sie etwas tun. Wichtig ist, einen regelmäßigen Fixpunkt für Familienaktivitäten zu planen. Auf jeden Fall sollte ein gemeinsamer medienfreier Abend pro Woche eingeplant werden. Nutzen Sie diese Zeit, z. B. für einen anregenden Spieleabend, und genießen Sie die gemeinsam verbrachte Zeit. Zeigen Sie Ihrem Kind bei ganz alltäglichen Dingen, wie man sich von einem anstrengenden Tag erholen kann, ohne fernzusehen oder in einem Computerspiel zu versinken.

Es klingt einfach, ist aber wirkungsvoll: Medien­freie Alternativen hinterlassen bei Ihrem Kind nachhaltig positive Erinnerungen und können einen vertrauensvollen und aufrichtigen Umgang miteinander fördern. So können Kinder die Zwei­fel und Sorgen ihrer Eltern im Hinblick auf Medien leichter annehmen.

8. Sprechen Sie über Faszination und Motive der Mediennutzung!

Kinder und Jugendliche nutzen Medien aus unter­schiedlichen Gründen. Neben der wichtigen Rolle als Informationsquelle spielen auch Unterhaltung und der alltägliche Zeitvertreib eine große Rolle. Vor allem jugendliches Leben findet auch im hohen Maße im Netz statt.

Das Abtauchen in fiktive (Spiel-)Welten, in denen es Helden, Macht, Abenteuer und aktives Mittun gibt, ist beeindruckend. Da Kinder erst ab ca. sechs Jahren zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können, ist hier die Begleitung durch Eltern besonders wichtig.

Jugendliche sind fasziniert von sozialen Netzwerken im Internet: ob Facebook, WhatsApp oder Insta­gram – sie alle bieten kostenlose Selbstdarstellung und kommen so dem entwicklungsbedingten Wunsch nach sozialer Anerkennung des Jugendlichen entgegen. Außerdem erfüllen diese Netzwerke das starke Kommunikationsbedürfnis. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die virtuellen Beziehungen wichtiger werden als reale Freundschaften und Kontakte. Umso wichtiger ist es für Sie als Eltern, mit Ihrem Kind über die Faszination zu sprechen und mögliche Gefahren zu diskutieren.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über gesetzliche Altersbestimmungen, informieren Sie sich über Spielinhalte und legen Sie die Auswahl von Spielen gemeinsam fest. Für Ihr Kind ist es wichtig zu merken, dass es Ihnen nicht egal ist, welche Spiele am PC laufen. Ihr Kind lernt so, Angebote zu hinterfragen und eine kritische Haltung einzunehmen.

9. Stärken Sie Ihr Kind!

Für den Aufbau eines starken Selbstwertgefühls benötigen Kinder positive Rückmeldungen auf ihr Verhalten, aber auch auf ihre Persönlichkeit. Es geht nicht alleine darum, Leistungen zu loben, sondern auch darum, das Kind mit seinen beson­deren Eigenschaften wahrzunehmen und Rück­meldung darauf zu geben. Eine gute Beziehung zu Ihrem Kind, gepaart mit Liebe und Wertschät­zung, trägt entscheidend zu einem hohen Selbst­wert bei. Gestärkt mit der Erfahrung „Es passt so wie ich bin!“ können Kinder mit den unterschied­lichen Einflüssen von Medien – wie zum Beispiel dem suggerierten idealen Körperbild, verführe­rischen Werbebotschaften aber auch stereotypen Rollenbildern – kompetenter umgehen.

Ein gestärktes Selbstbewusstsein spielt auch aus suchtvorbeugender Sicht eine wichtige Rolle. Hier geht es beim Medienkonsum nicht so sehr um die Nutzungsdauer, sondern vielmehr um die Motive der Mediennutzung. Wenn Ihr Kind den Computer als Trostspender sieht, wenn Computerspiele bei Stress zur Regulation der eigenen Stimmungen eingesetzt werden, beziehungsweise wenn für Ihr Kind der Stel­lenwert des Smartphones wichtiger wird als die reale Welt, können Sie dies als mögliche Alarmsignale für einen problematischen Gebrauch deuten. Kinder und Jugendliche, die in ihrer Persönlichkeit gefestigt sind, wissen um die notwendige Balance zwischen virtuellen Freundschaften oder Aktivitäten einerseits und realen Freunden und einer Freizeitgestaltung abseits von Internet & Spielkonsole andererseits.

10. Achten Sie auf Alarmsignale und nehmen Sie Unterstützung in Anspruch!

Es ist häufig schwer einzuschätzen, ab wann der Medienkonsum eines Kindes als bedenklich bzw. ungesund einzustufen ist. Vielleicht haben Sie manchmal das Gefühl, Ihr Kind beschäftigt sich ständig mit dem Smartphone, sitzt vor dem PC oder Fernseh­gerät und hat keine anderen Interessen bzw. Hobbys mehr. Umso wichtiger ist es dann für Sie als Eltern, sich für die Lebenswelt Ihres Kindes zu interessieren und im Gespräch zu bleiben.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind einen problematischen Medienkonsum pflegt, so sind sowohl Verharmlosungen als auch Panikmache wenig sinnvoll. Tauschen Sie Ihre Sorgen bzw. Befürchtungen mit Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner oder einer anderen Bezugsperson aus und führen Sie ein offenes Gespräch mit Ihrem Kind, indem Sie Ihre Sorgen offen mitteilen. Sprechen Sie in der Ich-Form und vermeiden Sie Anschuldigungen und Belehrungen. Hören Sie sich die Argumente Ihres Kindes an und fragen Sie gezielt nach den Beweggründen der intensiven Mediennutzung. Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung, wie zum Beispiel alternativen Freizeitbeschäftigungen, und ver­einbaren Sie eine schrittweise Reduzierung des Medienkonsums.

Sollten Sie aber als Elternteil einmal nicht mehr weiter wissen, scheuen Sie sich auch nicht profes­sionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hilfe finden Sie bei den Anlaufstellen im Kapitel „15. Rat und Hilfe“.

Quellen:
  • Institut für Suchtprävention Wien (Hrsg.): Handy, Computer und Internet: Wie kann ich mein Kind gut begleiten? (2010): Wien.
  • Sucht Schweiz (Hrsg.): Vernetze Kinder - Verunsicherte Eltern, Elternbrief Nr. 8. (2010): Lausanne.
  • Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Internetkompetenz für Eltern - Kinder sicher im Netz begleiten (2014): Düsseldorf
  • Infoset Medienkompetenz www.mpfs.de