Wissenschaftliche Theorien zur Suchtentstehung lassen sich in soziologische, psychologische und biologische Ansätze unterteilen.
Soziologische Erklärungsansätze
Soziologische Theorien versuchen anhand gesellschaftlicher Einflüsse bzw. kultureller Faktoren (Normen, Werte,...), Ursachen des Suchtverhaltens zu erklären. Eine Untergliederung der sozialen Ebene in die Bereiche umfassende Gesellschaft, die Region und die Familie ist dabei sinnvoll.
Aus soziologischer Sicht sind in diesen drei Bereichen sowohl Risiko- als auch Schutzfaktoren bezüglich einer Suchtentwicklung zu finden. Auf der einen Seite können Werte, wie Konsum, Leistung, Wettbewerb,... die unsere Gesellschaft prägen unter bestimmten Bedingungen besondere Risiken für Menschen darstellen, süchtiges Verhalten zu zeigen. Auf der anderen Seite kann eine Einbindung von Substanzen in eine Kultur (Rituale) einen Schutzfaktor gegen süchtige Entgleisung darstellen.
Welchen Einfluss eine spezielle Region, eine Stadt, eine Gemeinde auf das Suchtverhalten von Menschen ausübt, wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass es immer wieder Städte gibt (z.B. Amsterdam, San Francisco,...), in denen sich neue Drogenstandards etablieren. Dies scheint nicht nur allein von der Drogenpolitik, sondern von allgemeinen regionalen soziokulturellen Hintergrundfaktoren abhängig zu sein. Auch hier sind wieder sowohl Risikofaktoren (hohe Arbeitslosigkeit, Nähe zu Drogenzentren,..) als auch Schutzfaktoren (z.B. eine florierende Wirtschaft,...) denkbar.
Natürlich hat auch die Familie einen starken Einfluss auf den späteren Umgang mit Substanzen. Hier haben vor allem die Eltern die Chance, ihre Kinder mit entsprechenden Schutzfaktoren auszurüsten und selber ein positives Konsumverhalten vorzuleben.
Psychologische Erklärungsansätze
Psychologische Erklärungsansätze suchen die Ursachen süchtigen Verhaltens beim einzelnen Menschen. Hier einige der wichtigsten psychologischen Theorien:
Nach dem lerntheoretischen Modell der Sucht gilt Abhängigkeit als erlerntes Verhalten. Suchtentwicklung passiert laut Modell durch Lernen am Erfolg (z.B. Wenn eine sozial gehemmte Person durch den Konsum von Alkohol leichter auf andere Menschen zugehen kann und dies als Bereicherung erlebt, kann die Tendenz entstehen, bald wieder zu trinken) und durch Lernen am Modell (z.B. Was leben Eltern ihren Kindern vor).
Weiterer psychologische Erklärungsansätze sind die psychoanalytischen Modelle in denen die Ursache der Sucht in einer Störung der Persönlichkeit gesehen wird. Die Psychoanalyse richtet ihren Blick besonders auf die Beziehungsstruktur zwischen Kleinkind und Eltern in der frühen Kindheit. Der psychoanalytische Ansatz geht übereinstimmend davon aus, dass ungelöste, unbewusste Konflikte in diesem Beziehungsgefüge das Entstehen von Sucht wesentlich bedingen.
Systemische Theorien gehen davon aus, dass sich Sucht in gemeinsam gelebten Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen entwickelt. Systemische Modelle befassen sich nicht in erster Linie mit der Entstehungsgeschichte der Sucht, sondern mit der Frage, welche Mechanismen das Suchtverhalten zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufrechterhalten.
Biologische Erklärungsansätze
Biologische Modelle gehen der Frage nach, wie und warum die verschiedenen Drogen im menschlichen Organismus wirken. Dabei werden bestimmte körperliche Eigentümlichkeiten (wie z.B. Stoffwechselstörungen, Gene etc.) als die Ursachen der Drogenabhängigkeit und Sucht betrachtet.
Beim neurobiologischen Ansatz geht man davon aus, dass körpereigene opiatähnliche Substanzen (wie z.B. Adrenalin, Dopamin,...) vorhanden sind, die als innere Belohnungsstoffe funktionieren. Die körpereigenen opiatähnlichen Substanzen gleichen in ihren Wirkungen psychoaktiven Substanzen und lösen Euphorie und positive Gefühle bei bestimmten Handlungen und Erlebnissen, unter anderem in Extremsituationen, auch ohne die äußere Zufuhr von Drogen aus. Wenn psychoaktive Substanzen wie Opiate, Kokain, Alkohol,... regelmäßig von außen zugeführt werden, wird die Produktion der körpereigenen opiatähnlichen Substanzen gehemmt. Der Körper ist nun auf die externe Zufuhr angewiesen, ansonsten kommt es zu Entzugserscheinungen.
Der genetische Ansatz beschäftigt sich mit genetischen Dispositionen des Menschen für die Anfälligkeit gegenüber bestimmten psychoaktiven Substanzen.
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