Binge Eating Disorder (Esssucht ohne Erbrechen)
Übersetzt man "to binge" aus dem Amerikanischen so bedeutet es, "sich mit etwas voll stopfen", "ein Fressgelage abhalten". Das Hauptmerkmal der Binge-Eating-Disorder sind wiederkehrende "Fressanfälle" bei denen jedoch ein unangemessenes Kompensationsverhalten wie z. B. extremer Sport, Hungern oder Erbrechen fehlt.
Von bing-eating betroffene Frauen zeigen im Vergleich zu Frauen mit Übergewicht einen früheren Beginn des Übergewichts, ein höheres Gewicht und häufigere Gewichtsschwankungen, größere Unzufriedenheit mit ihrem Gewicht und ihrer Körperform, ein geringes Selbstwertgefühl und eine höhere Komorbidität mit psychiatrischen Krankheiten (Quelle: Herpertz Stefan; de Zwaan, Martina; Zipfel, Stephan (Hrsg.): Handbuch Essstörungen und Adipositas. Heidelberg 2008).
Diese Art der Essstörung ist als eigenständiges Krankheitsbild - abgrenzbar von der Bulimie, wo auch Fressattacken auftreten - erst seit 1994 definiert. In der ICD-10, den in Deutschland gebräuchlichen Diagnose-Richtlinien, ist die Binge-Eating-Disorder noch nicht gesondert dargestellt, sondern wird zu den nicht näher bezeichneten Essstörungen gezählt. Im amerikanischen Klassifikationssystem seelischer Erkrankungen, dem DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, auf Deutsch: Diagnostisches und statistisches Handbuch seelischer Störungen), ist die Binge-Eating-Störung durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Es kommt zu wiederholten Episoden von "Fressanfällen". Hier wird eine bestimmte Nahrungsmenge in einem abgegrenzten Zeitraum (z.B. zwei Stunden) gegessen. Diese Menge ist definitiv größer als jene, die die meisten Menschen in ähnlichem Zeitraum unter ähnlichen Umständen essen würden. Während dieser Zeit besteht ein Gefühl des Kontrollverlustes über das Essen. Die Episoden von "Fressanfällen" treten gemeinsam mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:
- es wird wesentlich schneller gegessen als normal
- es wird bis zu einem unangenehmen Völlegefühl gegessen
- es werden große Nahrungsmengen ohne körperliches Hungergefühl gegessen
- aufgrund von Schamgefühlen wegen der Menge wird allein gegessen
- im Nachhinein treten Gefühle von Selbstekel, Deprimiertheit oder starker Schuld auf
Wegen der "Fressanfälle" besteht ein deutliches Leidensgefühl. Die "Fressanfälle" treten über sechs Monate an mindestens 2 Tagen in der Woche auf. Sie treten nicht in Kombination mit regelmäßigem unangemessenen kompensatorischen Verhalten (z.B. Erbrechen, Fasten, exzessive körperliche Betätigung) oder ausschließlich im Verlauf einer Anorexia oder Bulimia nervosa auf (Quelle: Herpertz Stefan; de Zwaan, Martina; Zipfel, Stephan (Hrsg.): Handbuch Essstörungen und Adipositas. Heidelberg 2008).
Da es sich um ein relativ neues Krankheitsbild handelt, ist über den Verlauf der Binge-Eating-Störung und über die Verbreitung noch wenig bekannt.
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