Pathologisches Glücksspiel / Glücksspielsucht

Die Anerkennung des "Pathologischen Glücksspiels" als eigenständiges Störungsbild begann im Jahr 1991, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das pathologische Spielen in ihre "Internationale Klassifikation Psychischer Störungen" (ICD-10) aufgenommen hat.

Am ehesten können es wohl Angehörige beschreiben, was es bedeutet, mit einem/einer Glücksspielsüchtigen zu leben. Für den/die Süchtige/n zählt nur noch das Spiel, das gesamte Geld wird für diesen Zweck verwendet. SpielerInnen träumen ständig vom großen Gewinn, dafür setzen sie alles auf "eine Karte". Nichts ist so typisch am Spielen wie der ständige Traum vom Siegen, während die Realität, das ständige Verlieren, geleugnet wird.
SpielerInnen haben das Gefühl, dass sich ihre Gewinnchancen erhöhen, wenn sie beispielsweise an mehreren Automaten gleichzeitig spielen. Tatsache ist, dass sich dadurch der Verlust vervielfacht, denn Automaten sind so eingestellt, dass sie dem/der SpielerIn pro Stunde durchschnittlich 20 Euro "abknöpfen". Ein/eine SpielerIn kann diesen Umstand allerdings nicht mehr erkennen, da ihn/sie nur die Chancen, nicht aber die Gefahren interessieren.


Welche Spiele sind gefährlich?
Auf diese Frage lässt sich keine einheitliche Antwort geben. Die Mehrzahl der Spielsüchtigen sind AutomatenspielerInnen, die ihr Geld an Geldspielgeräten verlieren. Aber auch 'Fun-Games' (Automaten ohne Gewinnmöglichkeit) gewinnen immer stärker an Bedeutung.
Neben den Automaten sind noch das klassische Glücksspiel (Roulette, Black Jack), Pferdewetten aber auch Lotterien und Online-Spiele - die immer mehr an Bedeutung gewinnen - zu nennen.

Zahlen und Fakten
Über die Häufigkeit von behandlungsbedürftigen Formen des Glücksspielverhaltens liegen für Deutschland bisher nur widersprüchliche Angaben vor.
Laut einer Studie von 558 in Beratung oder Behandlung befindlichen GlücksspielerInnen handelt es sich allerdings fast ausschließlich (94,1%) um männliche Patienten um die 30.

Grundlagenstudien zur Glücksspielsucht gibt es in Österreich nicht. Man geht davon aus, dass in Bundesländern, wo alle Arten des legalen Glücksspiels frei zugänglich sind, mit 0,5% bis 1% pathologischen und 3% bis 4% problematischen SpielerInnen in der erwachsenen Bevölkerung zu rechnen ist. Demnach schätzt der Verein Anonymer Spieler, dass es in Österreich 30.000 - 60.000 pathologische und 180.00 - 240.000 gefährdete SpielerInnen gibt.

Diagnose
Worin unterscheidet sich pathologisches Glücksspiel von verträglichem Spielen? Folgende diagnostische Hauptmerkmale pathologischen Spielens werden von der WHO aufgeführt:

  • Dauerndes, wiederholtes Spielen

  • Anhaltendes und oft noch gesteigertes Spielen trotz negativer Konsequenzen, wie Verarmung, gestörter Familienbeziehungen und Zerrüttung der persönlichen Verhältnisse.



Die US-Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft hat das pathologische Glücksspiel bereits im Jahr 1980 in ihrem Diagnoseschlüssel, das "Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen" (DSM) aufgenommen. In ihrer aktuellsten Version (DSM-IV) definiert sie das pathologische Glückspiel als andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in mindestens fünf der folgenden Merkmale ausdrückt:

  • Der Spieler bzw. die Spielerin ist stark eingenommen vom Glücksspiel (etwa starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmungen, Nachdenken über Wege, Geld zum Spielen zu beschaffen);

  • Er/sie muss mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen;

  • Er/sie hat wiederholt erfolglose Versuche unternommen, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben;

  • Er/sie ist unruhig und gereizt beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben;

  • Er/sie spielt, um Problemen zu entkommen oder um eine dysphorische Stimmung (z.B. Gefühle der Hilflosigkeit, Schuld, Angst, Depression) zu erleichtern;

  • Er/sie kehrt, nachdem er/sie beim Glückspiel Geld verloren hat, oft am nächsten Tag zurück, um den Verlust auszugleichen (dem Verlust "hinterherjagen");

  • Er/sie belügt Familienmitglieder, Therapeuten oder andere, um das Ausmaß seiner Verstrickung in das Spielen zu vertuschen;

  • Er/sie hat illegale Handlungen wie Fälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung begangen, um das Spielen zu finanzieren;

  • Er/sie hat eine wichtige Beziehung, seinen Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Aufstiegschancen wegen des Spielens gefährdet oder verloren;

  • Er/sie verlässt sich darauf, dass andere ihm/ihr Geld bereitstellen, um die durch das Spielen verursachte hoffnungslose finanzielle Situation zu überwinden.


Unkontrolliertes Spielverhalten führt auf die Dauer fast zwangsläufig zu finanziellen und psychosozialen Folgeschäden. Mit der Aufnahme von Krediten oder dem Verkauf des persönlichen Eigentums beginnt ein Kreislauf, welcher auch in illegalen Handlungen enden kann, wenn die eigenen Mittel erschöpft sind. Besonders junge SpielerInnen bauen auch darauf, dass die Familie für den Schaden aufkommt. Längerfristig treten Schuldgefühle wegen des Spielens auf. Depressionen können die Folge sein, diese verstärken wieder die Spielsucht.

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