Kaufsucht

Kaufsucht nennt man das süchtige Kaufen von Konsumgütern und Dienstleistungen. Es findet in der Regel eher anfallsweise als permanent statt; zwischen den Anfällen können längere Zeitabstände liegen, mehrere Tage oder auch ein bis zwei Wochen. Kaufsucht hat in ihrer Entstehungsgeschichte und den Beschreibungsmerkmalen starke Ähnlichkeit mit anderen Süchten wie z. B. Alkohol- oder Arbeitssucht.
In Deutschland wird der Kaufsucht über Fachkreise hinaus erst seit den 90er Jahren Beachtung geschenkt.
Wonach sind die Käufer süchtig? Suchtobjekt ist das Kaufen selbst, nicht das Konsumieren der gekauften Güter. Allerdings ist nicht jeder, der viel oder übermäßig viel kauft, gleich kaufsüchtig. Belohnungskäufe, Frustkäufe und überflüssige Schnäppchenkäufe sind weit verbreitet und können durchaus im Bereich der Normalität liegen. Typisch für den Kaufsüchtigen ist der ständige und wiederkehrende Drang, neue Dinge zu erwerben.
Kaufen kann zum einen als "Tranquilizer" dienen, um eine innere Unruhe zu betäuben, um Depressionen oder Ängste zu unterdrücken. Zum anderen kann es auch als "Aufputschmittel" wirken, um sich ein Glücksgefühl zu verschaffen, eine innere Leere zu füllen, Problemen auszuweichen... Zudem kann Kaufen der Selbstbestätigung dienen.
Dass es nicht die Güter selbst sind, nach denen man süchtig wird, kann daraus abgelesen werden, wie mit ihnen umgegangen wird, wenn sie erst einmal gekauft worden sind: Häufig werden sie zu Hause gar nicht ausgepackt oder entweder gar nicht oder nur einmal benützt. Sie werden achtlos weggeräumt, verschenkt oder aus Angst vor Vorwürfen der Familie versteckt oder weggeworfen.
Ein Problem der Kaufsucht ist ihre Unauffälligkeit. Einkaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und sogar erwünscht.

Zahlen und Fakten
Laut Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim ist Kaufsucht ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen. Demnach sind 5 Prozent aller Erwachsenen "stark" und 20 Prozent "deutlich" kaufsuchtgefährdet. Doch nicht jeder, der kaufsuchtgefährdet ist, gilt gleichzeitig als kaufsüchtig. Die Grenze zwischen einem "normalen" Frustkauf und der Kaufsucht liegt in dem immer wiederkehrenden Drang Dinge zu kaufen, die man nicht wirklich benötigt.
Alle Altersgruppen und alle Einkommens- und Bildungsschichten scheinen gleichmäßig von dieser Sucht betroffen zu sein. Fast alle Kaufsüchtigen spezialisieren sich auf bestimmte Produkte und Kaufumgebungen (z.B. Billigeinkauf von Lebensmitteln im Supermarkt, Einkauf von Kleidung in teuren Boutiquen, Bestellung von Haushaltswaren in Katalogen etc.). Frauen scheinen sich dabei mehr auf Kleidung, Schuhe, Schmuck, Lebensmittel und Bücher zu verlegen, Männer kaufen eher technische und modische Accessoires, technische Geräte und Sportgeräte. Manche Kaufsüchtige kaufen nur heruntergesetzte Waren, bei anderen entscheidet wiederum die Gemütslage, welche Art von Produkten gekauft wird.
Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Kaufsucht eine eher "weibliche" Sucht ist, wenn auch lange nicht so ausschließlich wie beispielsweise Magersucht. Aufgrund der Untersuchungen gehen Wissenschaftler davon aus, dass Frauen aufgrund ihrer weiblichkeitsspezifischen Sozialisation, die passivere und emotionalere Verhaltensweisen fördert, innere Konflikte eher "unauffällig" lösen wollen, wozu sich die Kaufsucht "gut eignet".

Symptome
In Anlehnung an die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennen Wissenschafter zur Klassifizierung von "kaufsüchtigem Verhalten" folgende Kriterien:

  • Das Kaufverhalten ist kompensatorisch - Einkaufen als Mittel gegen Stress, als Flucht vor Anforderungen und Druck oder als Ausweg aus unerfreulichen Empfindungen.

  • Es folgt einem als unwiderstehlich empfundenen Impuls oder Zwang.

  • Es ist eine Verengung des Interesses auf das Suchtverhalten feststellbar, es liegt eine Abhängigkeit vom Kaufen bis zum Verlust der Selbstkontrolle vor.

  • Es findet eine Dosissteigerung statt. Um den gleichen Effekt zu erzielen, werden immer häufiger und immer teurere Dinge gekauft.

  • Es zeigen sich Entzugserscheinungen. Diese können von einer inneren Unruhe über Unwohlsein bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen und Selbstmordgedanken führen.

Als weitere Symptome von Kaufsüchtigen werden ein vorübergehendes Glücksgefühl beim Kauf und Schuldgefühle danach, langfristig das Auftreten von finanziellen und sozialen Problemen und die Neigung von Kaufsüchtigen, die Folgen zu verharmlosen oder abzustreiten genannt.

Folgewirkungen
Kaufsucht ist immer mit einem schlechten Gewissen und Schamgefühl verbunden. Die finanziellen Konsequenzen reichen von einem permanent überzogenen Konto bis zur Konsumkreditverschuldung in Millionenhöhe. Der Leidensdruck der Verschuldung oder Überschuldung wird in vielen Fällen durch die erfahrene Einengung und Vereinsamung erhöht. Aus Verzweiflung verstärkt sich die Flucht in den Kaufrausch, wodurch der Teufelskreis geschlossen wird.

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