Sexsucht
Sexsucht ist eine Form der nicht stoffgebundenen Süchte. Sexuell süchtiges Verhalten ist gekennzeichnet durch eine zunehmende sexuelle Betätigung, bei der aber die Befriedigung meist ausbleibt, so dass die Suche nach sexueller Erfüllung beständig fortgeführt wird. Dabei zeigen sich typische Kennzeichen der Sucht: Das Interesse am "Suchtobjekt" wächst, es kommt zu Toleranzentwicklung, Dosissteigerung und psychischen Entzugssymptomen. Im Alltag findet eine zunehmende Einengung statt, bis dieser sich fast ausschließlich nur noch um das Ausleben der sexuellen Wünsche dreht. Es treten gravierende Folgen wie familiäre Probleme, berufliche Schwierigkeiten etc. auf. Als Ursachen werden das Aufwachsen in einer Familie mit oft selbst suchtkranken Eltern, genetische Veranlagung oder auch Missbrauchserlebnisse in der Kindheit diskutiert.
Schwierig ist die genaue Definition des Begriffs. Sexsucht ist bislang kein eigenständiges Störungsbild in den einschlägigen diagnostischen Klassifikationssystemen (DSM-IV oder ICD-10). Einzelne exzessive sexuelle Verhaltensweisen werden den Zwangsstörungen oder den Störungen der Impulskontrolle zugeordnet. Typisierungen sexsüchtigen Verhaltens sind wissenschaftlich umstritten. Schätzungen über die Häufigkeit von Sexsucht gehen stark auseinander. Die Angaben schwanken dabei - je nach Definition - von 1-6 % in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung. Über die Anzahl der Sexsüchtigen in Österreich gibt es keine seriösen Zahlen. Als gesichert gilt, dass deutlich mehr Männer als Frauen von der Erkrankung betroffen sind.
Kennzeichen
Bei den Merkmalen von Sexsucht gelten die allgemeinen Kennzeichen von stoffungebundenen Süchten. Diese lauten nach Carnes (1992):
- Kontrollverlust: Das sexuelle Verhalten gerät außer Kontrolle.
- Schädlichkeit: Das sexuelle Verhalten hat negative Folgen.
- Zwanghaftigkeit: Trotz der negativen Folgen kann der oder die Betroffene das Verhalten nicht einstellen.
- Dominanter Verhaltensbereich: Es wird übermäßig viel Zeit mit sexuellem Verhalten, dem Beschaffen von Sex sowie mit der Verarbeitung von sexuellen Erlebnissen verbracht.
- Leidensdruck: Die Betroffenen haben den dauerhaften Wunsch, an ihrem Verhalten etwas zu ändern.
- Destruktivität: Selbstzerstörerische und riskante Verhaltensweisen
- Dosissteigerung: Es werden zunehmend sexuelle Erlebnisse aufgesucht, weil die augenblicklichen Aktivitäten zur Befriedigung nicht ausreichen.
- Emotionale Destabilisierung: In Zusammenhang mit sexuellen Aktivitäten kommt es zu Stimmungsschwankungen.
- Einengung des Verhaltens: Wegen des sexuellen Verlangens vernachlässigen die Betroffenen wichtige soziale und berufliche Aktivitäten.
- Bewältigungsversuch: Sexuelle Fantasien und Zwangsvorstellungen dienen als Strategien zur Bewältigung.
Hilfsangebote
In Graz gibt es die Selbsthilfegruppe SLAA (Anonyme Sex- und Liebessüchtige).
Infos dazu unter slaa@live.at oder bei der
Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Graz, Mag. Roland Moser, T 0316 / 38 21 31 - 12, selbsthilfe@sbz.at
Links
Onmeda - Internetportal für Medizin und Gesundheit
Informiert über Häufigkeit, Ursachen, Symptome bis Verlauf und Therapie von Sexsucht
www.slaa.at
Deutschsprachige S.L.A.A. Internetseite
Literatur
- Roth, Kornelius: Wenn Sex süchtig macht. Einem Phänomen auf der Spur. Berlin 2004.
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