Studien: E-Zigaretten taugen kaum zur Entwöhnung

Die WHO warnt vor E-Zigaretten. Forschende und Behörden aus Großbritannien sehen sie hingegen als Mittel, um von Tabakzigaretten loszukommen. Auch viele Rauchende hoffen, mit der E-Zigarette ihre Sucht zu beenden. Doch helfen E-Zigaretten wirklich bei der Entwöhnung? Im Gegenteil, so das Ergebnis zweier Studien. Es kann dadurch sogar noch schwerer sein, vom Nikotin loszukommen.

Eine US-amerikanische Studie (landesweit und repräsentativ) untersuchte rund 32.000 Erwachsene. Unter ihnen waren rund 2.500 täglich Rauchende mit dem dringenden Wunsch, aufzuhören. Diese wurden ab ihrem Aufhör-Versuch für zwei Jahre lang begleitet. Untersucht wurde die Wirkung der unterschiedlichen Methoden auf die Abstinenz von Nikotin. Denn nicht alle machten es auf dieselbe Art und Weise: 24 Prozent nutzten die E-Zigarette zum Aufhören, 19 Prozent pharmakologischen Nikotinersatz und 58 Prozent hörten ganz ohne Hilfsmittel auf.

Entwöhnung: Ohne E-Zigarette genauso erfolgreich

Das Ergebnis war in allen drei Gruppen gleich: Ein Jahr nach dem Aufhör-Versuch gaben rund 16 Prozent an, rauchfrei zu sein. Zwei Jahre danach waren es in allen drei Gruppen rund zehn Prozent. Der Umstieg auf E-Zigarette brachte keinen Vorteil: Wer umstieg, kam mit gleich großer Wahrscheinlichkeit von Tabakzigaretten los wie alle anderen.

Aber in der E-Zigaretten-Gruppe blieben rund 95 Prozent nikotinabhängig: Die Hälfte der zehn Prozent, die keine Tabakzigaretten mehr rauchte, nutzte auch nach zwei Jahren noch nikotinhaltige E-Zigaretten. Fazit: Die Nutzung der E-Zigarette brachte keinen Vorteil in der Entwöhnung von Tabakzigaretten und führte im Gegenteil zu mehr Nikotinabhängigkeit.

Bestätigt werden diese Ergebnisse durch eine Nachfolge-Studie ein Jahr später, die in die Daten auch Gelegenheitsrauchende einbezog. Diesmal untersuchten die Forschenden die Aussagen von 2.535 täglich und gelegentlich Rauchenden mit Aufhör-Wunsch. 17 Prozent benutzten eine E-Zigarette, um mit dem Rauchen von Tabakzigaretten aufzuhören.

Bei der Nachfolge-Erhebung gaben 13 Prozent aller Befragten an, seit mindestens zwölf Monaten nicht mehr Tabak zu rauchen. Die etwas höhere Rate ist auf die Gelegenheitsrauchenden zurückzuführen, die im Allgemeinen leichter aufhören können. Auch in dieser Studie eunterschieden sich die Entwöhnungsraten von E-Zigaretten-Rauchenden und herkömmlichen Rauchenden nicht.

Mit E-Zigaretten eher weiterhin nikotinabhängig

Ein anderer Aspekt fiel den Forschenden auf: Wer mittels E-Zigarette versucht hatte, von der Tabakzigarette loszukommen, blieb eher an der E-Zigarette hängen. Er blieb mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit nikotinsüchtig. Nikotinfrei wurden eher jene, die mit pharmakologischem Nikotinersatz oder ohne Hilfsmittel aufgehört hatten.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin kann keinen Nutzen fürs Aufhören erkennen. "Wer E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung empfiehlt, verkennt die Studienlage", zitiert die Fachgesellschaft den Pneumologen Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover, der auch Präsident der European Respiratory Society (ERS) ist. "Auch E-Zigaretten sind gesundheitsschädlich und daher als Entwöhnungshilfe vollkommen ungeeignet."

Die Wirksamkeit von E-Zigaretten in der Entwöhnung ist gering und "wenig bewiesen". Das stellt auch das von der EU-Kommission beauftragte "Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks"  (SCHEER) nach Analyse der Evidenz basierten Studien fest. Auch das Rauchfrei Telefon empfiehlt E-Zigaretten nicht in der Entwöhnung.

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