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Rauchen führt zu schwereren Verläufen bei COVID-19

Im Zusammenhang mit dem Corona-Virus wird der Einfluss des Rauchens diskutiert: Wer raucht, hat ein deutlich höheres Risiko, dass COVID-19 schwer verläuft.

Medien von Reuters über CNN, The Independent, Der Standard, Le Journal de Montreal, Der Spiegel, Neue Zürcher Zeitung, Le Figaro, New York Times, El Pais, Focus, Scientific American, El Observador, The Telegraph, Süddeutsche Zeitung, Time Magazine, La Presse, Sunday Telegraph Australia, El Mundo bis zur Tiroler Tageszeitung und der Kleinen Zeitung berichten über die starken Hinweise auf einen Zusammenhang von Corona-Virus und Rauchen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet.

Rauchende infizieren sich eher

Es gibt drei Aspekte, warum sich Menschen, die rauchen, eher zu infizieren scheinen:

Rauchen schwächt das Immunsystem. Die Wahrscheinlichkeit für Infektionen steigt, weil die Abwehrkräfte geschwächt sind. Erkrankungen brechen daher eher aus und verlaufen durchschnittlich schwerer. Die größten Gefahren für die schlechteren Abwehrkräfte gehen im Tabak vor allem von Nikotin und Teer aus.

Zusätzlich zum schlechteren Immunsystem haben viele Rauchende Vorschädigung bei Lunge und Bronchien. Das Corona-Virus Sars-CoV-2 greift die Lunge an. Bisherige Forschungen zeigen eindeutig, dass Menschen mit Vorerkrankungen besondere Risikogruppe sind.

Wer raucht, führt oft die Hand zum Mund – viel öfter als Nichtrauchende das tun. Auch das erhöht das Risiko für eine Infektion mit dem Corona-Virus, wie die WHO in ihrem aktuellen Newsletter feststellt. Ausdrücklich betont die WHO auch, dass Shishas aufgrund des häufig gemeinsamen Konsums mehrerer Personen die Ausbreitung des Virus begünstigen können.

In den USA warnt bereits die Food and Drug Administration (FDA) als oberste Behörde davor, dass sich Raucher eher mit dem Corona-Virus anstecken.

Rauchende haben bei Erkrankung eher Komplikationen

Bisherige Daten aus China, wo COVID-19 zum ersten Mal auftrat, teilten die Erkrankten in leichte Verläufe, mittlere Verläufe und schwere Verläufe. Als schwerer Verlauf zählte beispielsweise doppelseitige Lungenentzündung, Aufnahme in die Intensivstation, Notwendigkeit eines Beatmungsgeräts oder ausbleibende Besserung nach 14 Tagen.

Unter den Erkrankten mit „schwerem Verlauf“ sind überdurchschnittlich viele Rauchende.

Eine erster Systematic Review über die aus China verfügbaren Evidenz basierten Daten zeigt für Raucherinnen und Raucher eine drastisch erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf bei einer Corona-Infektion auf: Je nach Studie erhöht sich die Gefährdung um das Doppelte bis 14-Fache.

Eine Studie analysierte den Unterschied zwischen Überlebenden und Gestorbenen. Unter den Überlebenden waren 4 Prozent Rauchende, unter den Gestorbenen 9 Prozent. Eine andere Studie zeigte, dass bei schweren Krankheitsverläufen 3,4 Prozent Rauchende und 6,9 Prozent Ex-Rauchende waren. Im Gegensatz dazu waren unter den leichten Krankheitsverläufen keine Rauchenden und nur 3,7 Prozent Ex-Rauchende.

Eine weitere – im "Chinese Medical Journal" erschienene – Studie ergab sogar eine Erhöhung des Risikos für schweren Verlauf um das 14-Fache: Dafür wurde der Verlauf von 78 Erkrankten der Region Wuhan beobachtet. Erkrankte mit schweren Verläufen, deren Zustand sich auch nach zwei Wochen noch nicht verbessert oder sogar verschlechtert hatte, waren 14 Mal häufiger Rauchende als Nichtrauchende. Eine Vorgeschichte als Raucher hatte in dieser Studie sogar stärkeren Einfluss auf die Schwere von COVID-19 als das Alter.

Fraglich ist auch, ob die kolportierten häufig schwereren Verläufe bei Männern mit dem geschlechtsspezifischen Rauchstatus in China zusammenhängen: In China kommen auf eine rauchende Frau 23 rauchende Männer (2018: 288 Millionen Männer zu 12,6 Millionen Frauen). Auch in Spanien haben Männer eher einen schwereren Verlauf und versterben eher an Sars-CoV-2. In New York verstarben bisher fast doppelt so viele Männer wie Frauen am aktuellen Corona-Virus. Auch hier gilt als ein Erklärungsansatz, dass mehr Männer als Frauen rauchen.

Insgesamt, resümiert dieser erste Systematic Review, benötigen Rauchende mit COVID-19 im Vergleich zu Nichtrauchenden 2,4 Mal so häufig die Aufnahme auf die Intensivstation.

Auch das British Medical Journal berichtet, dass bei einer Infektion mit COVID-19 ein großer Unterschied zwischen Rauchenden und Nichtrauchenden beobachtbar war: Während 12,4 Prozent der infizierten Rauchenden mit Atemmaschine versorgt, auf der Intensivstation behandelt wurden oder sogar daran verstarben, war das nur bei 4,7 Prozent der Nichtrauchenden der Fall. Auch beim verwandten MERS-Virus habe es unter den Verstorbenen eine Häufung an Rauchenden gegeben.

Mehr Andockstellen?

Eine kanadische Studie liefert einen weiteren Erklärungsansatz, warum das aktuelle Coronavirus Rauchende kränker macht als Nichtrauchende: Bei Rauchenden könnte es mehr Andockstellen (ACE2-Rezeptoren) für das Virus Sars-CoV-2 geben. ACE2 dient in der Zelle als Andockstelle für das aktuelle Coronavirus. Wer raucht, hat eine höhere Konzentration von ACE2-Rezeptoren. Dieselbe Studie ergab: Ex-Raucher hatten ähnlich niedrige ACE2-Werte wie Menschen, die nie geraucht hatten.

Auch E-Zigaretten-Raucher gefährdeter – Aerosol verteilt Virus

International steht auch die Frage im Raum, inwiefern E-Zigaretten ungünstige Verläufe von COVID-19 begünstigen. Diesen Zusammenhang stellte CNN unter Berufung auf das Center of Diseases Control (CDC) her, das davon berichtet, dass in den USA auch unter den ernsthaft Erkrankten ein hoher Anteil jüngerer Erwachsener (20 bis 44) ist: 40 Prozent  - also in jener Bevölkerungsgruppe, die auch den meisten E-Zigaretten-Konsum aufweist.

Dafür spricht auch, dass die Schwächung des Immunsystems insbesondere von Nikotin ausgeht. E-Zigaretten können die Lungenfunktion einschränken, anfälliger für Infektionen machen und andere Gesundheitsprobleme verursachen.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) warnt ausdrücklich, dass E-Zigaretten die Lunge schädigen und die Corona-Krankheit verschlimmern können. Auch Time Magazine, CBS und New York Times berichten über erhöhtes Risiko.

Gleichzeitig verbreitet Aerosol das Virus. Eine Studie untersuchte, auf welchem Trägermaterialien sich COVID-19 hält. Analysiert wurde die Haltbarkeit auf zehn Trägermaterialien. Das Virus hielt sich auf Stahl und Plastik am längsten, aber auch im Aerosol von Nebelmaschinen war es drei Stunden lang nachweisbar. Aerosol ist Hauptbestandteil des Passivrauchs von E-Zigaretten. E-Zigaretten stehen damit im Verdacht, zur Verbreitung des Virus beizutragen.

Robert Koch-Institut: Rauchende offizielle Risikogruppe

Es ist weltweit im Kommen, dass Raucherinnen und Raucher (Tabak, E-Zigarette, Cannabis) zu den offiziellen Risikogruppen für schweren Verlauf von COVID-19 gezählt werden. Sowohl das Robert-Koch-Institut als auch das Centre for Disease Control and Prevention (CDC) zählen Rauchende bereits zur offiziellen Risikogruppe für einen schweren Verlauf.

Für die USA adaptiert die University of California derzeit ein Triage Protokoll zur Ersteinschätzung von COVID-19-Verdachtsfällen durch Gesundheitspersonal. Auch hier ist der Konsum von Tabakprodukten und E-Zigaretten ausdrücklich als Risikofaktor aufgenommen.

Aufhören dringend geraten

Das britische Centre for Evidence-Based Medicine betont angesichts der weltweiten Corona-Krise, dass es noch nie so sinnvoll wie jetzt war, mit dem Rauchen aufzuhören.

Selbst für bereits Erkrankte wird der Rauchstopp empfohlen: Wer während eines akuten Infekts des Atmungstrakts mit dem Rauchen aufhört, verringert die Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Komplikationen.

Hilfe beim Rauchstopp:

  • Rauchfrei Telefon: 0800 / 810 013 (werktags 10 bis 18 Uhr) und Mail-Beratung info@rauchfrei.at
  • "Rauchfrei in 6 Wochen": Telefonberatung statt Gruppe, 05 / 0766 15  -1919 (werktags 8 bis 14 Uhr), rauchstopp@oegk.at

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