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Rauchen führt zu schwereren Verläufen bei COVID-19

Im Zusammenhang mit dem Corona-Virus wird der Einfluss des Rauchens diskutiert: Wer raucht, hat ein deutlich höheres Risiko, dass COVID-19 schwer verläuft.

Medien von Reuters über CNN, The Independent, Der Standard, Der Spiegel bis zur Tiroler Tageszeitung berichten über die starken Hinweise auf einen Zusammenhang von Corona-Virus und Rauchen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet.

Rauchende infizieren sich eher

Es gibt drei Aspekte, warum sich Menschen, die rauchen, eher zu infizieren scheinen:

Rauchen schwächt das Immunsystem. Die Wahrscheinlichkeit für Infektionen steigt, weil die Abwehrkräfte geschwächt sind. Erkrankungen brechen daher eher aus und verlaufen durchschnittlich schwerer. Die größten Gefahren für die schlechteren Abwehrkräfte geht im Tabak vor allem von Nikotin und Teer aus.

Zusätzlich zum schlechteren Immunsystem haben viele Rauchende Vorschädigung bei Lunge und Bronchien. Das Corona-Virus COVID-19 greift die Lunge an. Bisherige Forschungen zeigen eindeutig, dass Menschen mit Vorerkrankungen besonderer Risikogruppe sind.

Wer raucht, führt oft die Hand zum Mund – viel öfter als Nichtrauchende das tun. Auch das erhöht das Risiko für eine Infektion mit dem Corona-Virus, wie die WHO in ihrem aktuellen Newsletter feststellt. Ausdrücklich betont die WHO auch, dass Shishas aufgrund des häufig gemeinsamen Konsums mehrerer Personen die Ausbreitung des Virus begünstigen können.

Rauchende haben bei Erkrankung eher Komplikationen

Bisherige Daten aus China, wo COVID-19 zum ersten Mal auftrat, teilten die Erkrankten in leichte Verläufe, mittlere Verläufe und schwere Verläufe. Als schwerer Verlauf zählte beispielsweise doppelseitige Lungenentzündung, Aufnahme in die Intensivstation, Notwendigkeit eines Beatmungsgeräts oder ausbleibende Besserung nach 14 Tagen.

Unter den Erkrankten mit „schwerem Verlauf“ sind überdurchschnittlich viele Rauchende.

Eine erster Systematic Review über die aus China verfügbaren Evidenz basierten Daten zeigt für Raucherinnen und Raucher eine drastisch erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf bei einer Corona-Infektion auf: Je nach Studie erhöht sich die Gefährdung um das Doppelte bis 14-Fache.

Eine Studie analysierte den Unterschied zwischen Überlebenden und Gestorbenen. Unter den Überlebenden waren 4 Prozent Rauchende, unter den Gestorbenen 9 Prozent. Eine andere Studie zeigte, dass bei schweren Krankheitsverläufen 3,4 Prozent Rauchende und 6,9 Prozent Ex-Rauchende waren. Im Gegensatz dazu waren unter den leichten Krankheitsverläufen keine Rauchenden und nur 3,7 Prozent Ex-Rauchende.

Eine weitere – im "Chinese Medical Journal" erschienene – Studie ergab sogar eine Erhöhung des Risikos für schweren Verlauf um das 14-Fache: Dafür wurde der Verlauf von 78 Erkrankten der Region Wuhan beobachtet. Erkrankte mit schweren Verläufen, deren Zustand sich auch nach zwei Wochen noch nicht verbessert oder sogar verschlechtert hatte, waren 14 Mal häufiger Rauchende als Nichtrauchende. Eine Vorgeschichte als Raucher hatte in dieser Studie sogar stärkeren Einfluss auf die Schwere von COVID-19 als das Alter.

Fraglich ist auch, ob die kolportierte häufig schwereren Verläufe bei Männern mit dem geschlechtsspezifischen Rauchstatus in China zusammenhängen: In China rauchen nur 2 bis 3 Prozent der Frauen, jedoch 51 Prozent der Männer.

Insgesamt, resümiert dieser erste Systematic Review, benötigen Rauchende mit COVID-19 im Vergleich zu Nichtrauchenden 2,4 Mal so häufig die Aufnahme auf die Intensivstation.

Auch das British Medical Journal berichtet, dass bei einer Infektion mit COVID-19 ein großer Unterschied zwischen Rauchenden und Nichtrauchenden beobachtbar war: Während 12,4 Prozent der infizierten Rauchenden mit Atemmaschine versorgt, auf der Intensivstation behandelt wurden oder sogar daran verstarben, war das nur bei 4,7 Prozent der Nichtrauchenden der Fall. Auch beim verwandten MERS-Virus habe es unter den Verstorbenen eine Häufung an Rauchenden gegeben.

Auch E-Zigaretten-Raucher gefährdeter – Aerosol verteilt Virus

International steht auch die Frage im Raum, inwiefern E-Zigaretten ungünstige Verläufe von COVID-19 begünstigen. Diesen Zusammenhang stellte CNN unter Berufung auf das Center of Diseases Control (CDC) her, das davon berichtet, dass in den USA auch unter den ernsthaft Erkrankten ein hoher Anteil jüngerer Erwachsener (20 bis 44) ist: 40 Prozent  - also in jener Bevölkerungsgruppe, die auch den meisten E-Zigaretten-Konsum aufweist.

Dafür spricht auch, dass die Schwächung des Immunsystems insbesondere von Nikotin ausgeht.

Gleichzeitig verbreitet Aerosol das Virus. Eine Studie untersuchte, auf welchen Trägermaterialien sich COVID-19 hält. Analysiert wurde die Haltbarkeit auf zehn Trägermaterialien. Das Virus hielt sich auf Stahl und Plastik am längsten, aber auch im Aerosol von Nebelmaschinen war es drei Stunden lang nachweisbar. Aerosol ist Hauptbestandteil des Passivrauchs von E-Zigaretten. E-Zigaretten stehen damit im Verdacht, zur Verbreitung des Virus beizutragen.

Aufhören dringend geraten

Das britische Centre for Evidence-Based Medicine betont angesichts der weltweiten Corona-Krise, dass es noch nie so sinnvoll wie jetzt war, mit dem Rauchen aufzuhören.

Selbst für bereits Erkrankte wird der Rauchstopp empfohlen: Wer während eines akuten Infekts des Atmungstrakts mit dem Rauchen aufhört, verringert die Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Komplikationen.

Hilfe beim Rauchstopp: Rauchfrei Telefon 0800 / 810 013, info@rauchfrei.at

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