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Informiert euch über die verschiedensten Suchtmittel!
Sucht - nur (illegale)
Drogen oder doch mehr?
Welche Bilder fallen
dir ein, wenn du von Sucht hörst? Der alkoholisierte Sandler an der
Ecke, ein Raver im Ecstasy-Rausch oder einfach nur Drogen? Sucht ist
jedoch viel mehr als Drogen, und Sucht ist auch nicht etwas, was
einen von heute auf morgen überwältigt. Bis es dazu kommt, kann
unterschiedlich lange dauern. Am Anfang wird der Konsum eines Mittels
(z.B. ein Glas Bier) oder die Ausübung einer Tätigkeit
(z.B. Computerspielen) meist als angenehm und harmlos empfunden. Also,
wozu dann die Aufregung und die Warnung der Erwachsenen?
Vielleicht sieht die Sache anders aus, wenn du das Ganze über einen
längeren Zeitraum beobachtest. Oft genügen auch ein Wochenende
oder ein Monat nicht, um wirklich einen Überblick zu bekommen. Wie
oft esse ich Schokolade und bei welchen Gelegenheiten? Wann setze ich
mich vor den Computer um lange in Chatrooms zu verweilen? Vielleicht kommst
du bei Deinen Beobachtungen drauf, dass du Mittel oder Verhaltensweisen
ausprobiert hast und von manchen wieder die Finger davon gelassen hast.
Vielleicht entdeckst du aber auch Situationen, wo das Bedürfnis danach
sehr groß war, z.B. wenn du mit Deinen FreundInnen unterwegs warst
oder wenn du Dich gestresst gefühlt hast.
Was ist Sucht eigentlich?
Sucht ist eine Krankheit, die Auswirkungen auf Körper und Geist hat.
Eine Sucht nimmt also den ganzen Menschen gefangen. Von Sucht kann dann
gesprochen werden, wenn folgende Merkmale gebündelt vorliegen:
· Zwang: wenn ich etwas nicht mehr freiwillig nehme/mache,
sondern "muss"
· Dosissteigerung: ich brauche immer mehr von einem Mittel/Verhalten
· Kontrollverlust: ich merke nicht mehr, wie viel ich eigentlich
konsumiere
· Entzugserscheinungen: mir geht etwas ab, wenn ich das
Mittel/Verhalten nicht habe
· Leiden & Schädigung: wenn ich gesundheitliche,
berufliche oder andere Nachteile habe
Es gibt leichte und schwere Ausprägungen von Sucht, die oben genannten
Merkmale treten bei unterschiedlichen Süchten in unterschiedlicher
Mischung auf. Unterscheiden lassen sich stoffgebundene und stoffungebundene
Süchte, also solche, bei denen etwas konsumiert wird (z.B. Alkohol,
Nikotin, Opiate, ...)und solche, bei denen sich alles um ein Verhalten
dreht (z.B. Spielsucht, Arbeitssucht, ...).
Der Begriff Droge kommt übrigens vom niederländischen
"droog" (trocken) und meint im ursprünglichen Sinne Stoffe
vor allem pflanzlicher, aber auch tierischer oder mineralischer Herkunft,
die oft durch Konservierung, z.B. Trocknung, relativ haltbar gemacht werden
und als Heil- und Genussmittel oder Gewürze Verwendung finden.
Wie entsteht Sucht?
Eine Sucht entsteht nicht von heute auf morgen. Die Dauer einer Suchtentwicklung
ist höchst unterschiedlich, meist folgt sie aber folgenden Schritten:
1. Genuss heißt, ein Mittel oder ein Verhalten mit
Gespür für das richtige Maß zu konsumieren/auszuführen:
hin & wieder, bewusst, geplant, mit Spaß,
(Beispiel:
Ein Bier oder ein gutes Glas Wein mit Freund/innen trinken.)
2. Missbrauch bedeutet, ein Mittel oder ein Verhalten als
Möglichkeit zum Ausweichen verwenden: zur Ablenkung, zum Frustabbau,
zur "Problemlösung",
(Beispiel: Etwas trinken, weil
mir fad ist oder weil ich grantig bin.)
3. Gewöhnung liegt dann vor, wenn der Missbrauch regelmäßig
und "automatisch" betrieben wird. (Beispiel: Täglich zur
Flasche greifen, wenn ich abends vor dem Fernseher sitze).
4. Abhängigkeit kann eine Folge der Gewöhnung sein:
Das Mittel/Verhalten wird "notwendig" zur Lebensbewältigung.
(Beispiel: Ich ertrage keinen Urlaub auf einer Hütte oder am Strand
ohne Alkohol.)
5. Sucht liegt dann vor, wenn das Mittel oder Verhalten
Lebensmittelpunkt ist und die oben genannten Kriterien erfüllt sind.
(Beispiel: Ich kann ohne Alkohol nicht mehr leben, denke an nichts anderes,
)
Diese Entwicklung
geht nicht "von selbst", wer einmal etwas missbraucht, muss
deswegen nicht süchtig werden; aber jede Stufe ist die Voraussetzung
für die nächste, und es ist leichter, die Schritte vom Genuss
in Richtung Sucht zu gehen als umgekehrt.
Welche Ursachen für Sucht gibt es?
Sucht ist ein Phänomen, das Angst macht - daher werden oft Sündenböcke
gesucht: die bösen Dealer, die Kindern Drogen schenken; die bösen
Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern; die bösen Drogen,
die schon beim Anblick süchtig machen; die bösen Jugendlichen,
die nicht auf die Erwachsenen hören; etc. Es spielen aber immer unterschiedliche
Ursachen zusammen, wenn jemand süchtig wird:
· Mittel:
Die Tatsache, dass es Suchtmittel/-verhalten gibt, macht niemanden süchtig.
Aber es macht einen Unterschied, wie leicht erhältlich Mittel sind,
wie teuer sie sind, wie sie wirken, wie rasch sie abhängig machen
und wie oft man konsumiert.
· Mensch: Jeder Mensch hat einen "inneren Proviant"
für den Umgang mit Problemen: Selbstbewusstsein, Konfliktfähigkeit,
Kommunikationsfähigkeit,
Wenn die "Werkzeuge" bei
einem Problem nicht mehr reichen, braucht's etwas von außen: Hilfe
von Freund/innen oder Flucht mit Hilfe eines Mittels/Verhaltens.
· Umwelt, Gesellschaft: Die Normen und Regeln der Umgebung,
der Familie, des Freundeskreises und der Gesellschaft spielen auch eine
Rolle: Hohe Erwartungen, Gruppendruck, die Konsumkultur, Arbeitslosigkeit
oder fehlender Raum für Jugendliche können zu einer Suchtentstehung
beitragen.
· Moment, Situation: Wer gelangweilt, frustriert, grantig,
einsam oder traurig ist, wird nach einem Ausweg suchen; Enttäuschungen,
Konflikte, Langeweile sind Situationen, wo manche statt einer Problembewältigung
durch eigene Fähigkeiten durch den Missbrauch eines Mittels/Verhaltens
eine "Lösung" suchen.
Was kann ich tun um nicht süchtig zu werden?
Prä-vention heißt: der Sucht zuvor-kommen. Wichtig ist, dass
du darauf achtest, wie viele Möglichkeiten dir zur Verfügung
stehen, wie du mit schwierigen Situationen umgehst.
Symbolhaft kannst du dir das mittels 10 Tasten einer Klaviertastatur vorstellen.
Da können sich unterschiedliche Tasten finden, auf die du zurückgreifst,
z.B. wenn du gerade Liebeskummer hast:
Taste 1: Ich rufe meinen besten Freund/meine beste Freundin an
Taste 2: Ich sperr mich in mein Zimmer ein und leg mich ins Bett
Taste 3: Ich ziehe mir Musik in voller Lautstärke rein
Taste 4: Ich breche den Highscore meines Lieblingsspieles am Computer
Taste 5: Ich gehe spazieren
Taste 6: Ich stürze mich in die Arbeit, die ich noch für die
Schule machen muss
Taste 7: Ich versuche mich mit einem Buch abzulenken
Taste 8: Ich unternehme etwas mit meinen FreundInnen
Taste 9: Ich fresse meinen Ärger mit Schokolade in mich rein
Taste 10: Bleibt für dich offen: .........................................
Möglicherweise hast du Gemeinsamkeiten mit deinen "Strategien"
entdecken können. Vielleicht ist dir die Taste 9 aufgefallen, da
wir gerade von Sucht sprechen. Diese Taste bedeutet aber noch keine
Suchtgefahr, solange du alle 10 Tasten abwechselnd verwendest. Deine
breite Palette an Möglichkeiten, mit schwierigen Situationen umzugehen,
wird dich davor bewahren von einer Taste abhängig zu werden. Und
wahrscheinlich wirst du auch Momente kennen, in denen dir "alles
egal" ist und in denen du die Taste 9 drückst.
Problematischer wird es erst dann, wenn Ressourcen verloren
gehen
bzw. immer
weniger Tasten genützt werden. Hast du z.B. nur mehr drei
Tasten zur Verfügung, wird das Erleben und Bewältigen von Problemen
und
Konflikten empfindlich eingeschränkt:
Taste 1: Ich sperr mich in mein Zimmer ein und leg mich ins Bett
Taste 2: Ich stürze mich in die Arbeit, die ich noch für die
Schule machen
muss
Taste 3: Ich spüle mir meinen Frust mit Alkohol hinunter

Von Sucht sprechen wir dann,
wenn nur mehr eine Taste zur
Verfügung steht bzw. gedrückt
wird - von deren Funktion der
Mensch somit abhängig ist.
Taste 1: Sich betrinken
Oder
Taste 1: Arbeiten
Jede Taste kann, unabhängig davon, ob sie von anderen als
positiv oder negativ bewertet wird, zur Sucht führen. Daher
ist es wichtig anzumerken, dass es keine "schlechten" Tasten
gibt, die entfernt werden sollen. Vielmehr ist es wichtig, dass Du darauf
achtest, dass dir und deinen FreundInnen genügend Tasten zur Verfügung
stehen und dass du dir neue Möglichkeiten suchst, wenn einzelne Tasten
(vorübergehend) wegfallen (z.B. bist du gerade mit deiner besten
Freundin/deinem bestem Freund verkracht und willst sie/ihn daher nicht
anrufen).
Vielleicht überlegst du dir auch, welche Aktivitäten und Unternehmungen
in deinem Freundeskreis besonders beliebt sind. Wie wichtig ist es Euch,
viel miteinander zu plaudern, sich gegenseitig zu verstehen und zu unterstützen?
Wenn du meinst, dass ihr viele gemeinsame Interessen habt, euch gegenseitig
ernst nehmt und einander vertraut wird das Risiko süchtig zu werden
wahrscheinlich gering sein.
Sucht ist eine Krankheit, die im Alltag entsteht - und dort kannst du
auch für dich und andere etwas tun.
Weitere Infos zum
Thema Sucht und Drogen findest Du auch unter Links!
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