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Cannabis

Cannabis ist weltweit, in allen EU-Ländern und in Österreich die mit Abstand am meisten konsumierte illegale Substanz.

Die Lebenszeiterfahrung mit Cannabis in der gesamteuropäischen Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren wird nach vorsichtigen Schätzungen mit 70 Millionen Europäern angegeben. Das entspricht einem Fünftel der europäischen Bevölkerung. Die Angaben der einzelnen Länder zur Lebenszeiterfahrung variieren stark zwischen 2% und 37%. Die Zahl jener Personen, die Cannabis regelmäßig konsumiert, wird versucht mit der 30-Tage-Prävalenz zu erfassen. Schätzungsweise haben 4% der Europäer zwischen 15 und 64 Jahren in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert und schätzungsweise 1% der europäischen Erwachsenen konsumiert täglich oder fast täglich Cannabis.
Die Daten für Europa deuten jedoch auf eine Stabilisierung oder sogar einen Rückgang des Cannabiskonsums hin.

Insgesamt zeigt sich, dass Männer häufiger als Frauen zum Cannabiskonsum neigen.
Cannabis wird vor allem von jungen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren konsumiert, wobei die höchsten Konsumraten in der Regel unter den 15- bis 24-Jährigen zu finden sind (Quelle: EBDD Jahresbericht 2008 - Stand der Drogenproblematik in Europa).

Insgesamt scheinen die Konsumerfahrungen bei österreichischen Jugendlichen in den letzten zehn Jahren gestiegen zu sein. Von den 15-jährigen SchülerInnen der HBSC-Studie haben 13,5% schon einmal in ihrem Leben Cannabis probiert. Allerdings waren es nur 9% der 15-Jährigen die in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert haben. Beim aktuellen Cannabiskonsum, dies bedeutet während der letzten 30 Tage verringert sich der Prozentsatz auf 3,7%. Die deutlich niedrigeren Konsumraten für die letzten 12 Monate und 30 Tage deuten darauf hin, dass es sich großteils und Probier- und Experimentierkonsum handelt und nicht um regelmäßigen Konsum (Quelle: Dür, Wolfgang; Griebler, Robert: Die Gesundheit der Österreichischen SchülerInnen im Lebenszusammenhang. Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2006. BMGFJ. Wien 2007).

Einstiegsalter: 33,6% der Personen, die sich in ambulanter Cannabisbehandlung befanden, konsumierten Cannabis zum ersten Mal unter 15 Jahren, 56,3% im Alter zwischen 15 und 19 Jahren (EBDD Jahresbericht 2003 - Stand der Drogenproblematik in Europa).

Die Daten der Wiener Suchtmittelstudie erlauben es längerfristige Trends seit 1993 abzuleiten. Diese zeigen, dass die Lebenszeiterfahrung der Wiener Bevölkerung ab 15 Jahren bei Cannabis mit Ausnahme von 2009 kontinuierlich im Steigen war. 2007 lag die Lebenszeiterfahrung der Wiener Bevölkerung mit Cannabis bei 19%, während diese 2009 auf 16% zurückfiel und 2011 auf 21% anstieg (Quelle: ÖBIG Bericht zur Drogensituation 2011. Wien 2011).

Insgesamt 14% der Steiermärkischen Bevölkerung zwischen 14 und 60 Jahren haben ihren Angaben zufolge bereits einmal eine illegale Droge konsumiert. 13 Prozent nannten "Haschisch" bzw. Hanfprodukte; weitere 2 Prozent gaben an, auch schon einmal andere Substanzen genommen zu haben. Dabei gibt es natürlich Abweichungen zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Zum Teil deutlich über dem Durchschnitt liegen die Nennungsanteile bei den Männern, bei den 20-40-Jährigen und insbesondere bei den "oberen" Bildungsschichten (Quelle: Suchtmittelstudie Steiermark. Bevölkerungsbefragung 2002).

Der Konsum von Cannabis ist durch das österreichische Suchtmittelgesetz nicht unter Strafe gestellt. Wer jedoch Cannabis erwirbt oder besitzt - sei es für Zwecke des Eigenkonsums oder der Weitergabe an andere - macht sich strafbar und ist von den Sicherheitsbehörden bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Die herrschende Rechtssprechung qualifiziert bereits die Übernahme einer Haschischpfeife zu kurzem Konsum oder das Rauchen an einer von Hand zu Hand gehenden Haschischzigarette als "Besitz" und damit als strafbares Verhalten. Bei einer geringen Menge zum eigenen Gebrauch hat der Staatsanwalt die Anzeige für eine Probezeit von 2 Jahren vorläufig zurückzulegen und, falls vom Gesundheitsamt ärztliche, psychologische, psychotherapeutische oder psychosoziale Maßnahmen als notwendig erachtet werden, diese anzuordnen. Unterzieht sich der Betroffene der Maßnahmen und verübt keine weiteren Suchtmitteldelikte, wird kein gerichtliches Strafverfahren eingeleitet. In der Schule gilt natürlich § 13 (HBSC Factsheet - Rauchen, Alkohol, Cannabis 2003).

In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für die Auswirkungen des langfristigen Konsums von Cannabis geändert und auch die Zahl der gemeldeten Behandlungsnachfragen wegen Cannabisproblemen ist gestiegen (vgl. EBDD 2008).
Die Gesundheitsrisiken von Cannabis werden heute differenzierter bewertet. Der Konsum kann bei psychischer Instabilität, exzessivem Gebrauch oder zu frühem Einstiegsalter durchaus zu Abhängigkeit führen, die mentale Gesundheit beeinträchtigen und sogar Psychosen auslösen (vgl. HBSC 2008).

Auf Grund der eingeschränkten Datenlage ist eine Darstellung der diesbezüglichen Situation für Österreich sehr schwierig und es wird daher auf deutsche Daten zurückgegriffen.
Seit Beginn der Neunziger Jahre werden in ambulanten Einrichtungen in der BRD immer mehr Menschen mit cannabisbezogenen Störungen behandelt. Die absolute Zahl der Behandlungen stieg dabei von 2.600 (1992) auf 14.700 (2002), wobei mindestens drei Viertel der Behandelten einen klinischen Befund im Sinne eines schädlichen Gebrauchs oder eines Abhängigkeitssyndroms aufweisen.
Als Hauptgrund für den Behandlungsanstieg nennen die ForscherInnen den insgesamt steigenden Cannabiskonsum; ebenso wird eine bessere Erreichbarkeit der Behandlungsangebote als Ursache in Betracht gezogen (Quelle: Simon, Roland et al.: Cannabisbezogene Störungen. Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland. München 2004).