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10 Tipps für ein Gespräch zum Thema Rauchen

1. Nutzen Sie ihre Vorbildwirkung!

Wirkungsvoller als viele Worte ist oft das Verhalten von Eltern. Von Geburt an sind Sie das Vorbild Ihrer Kinder. Im Familienalltag übernimmt Ihr Kind Gewohnheiten und Werte. Vermitteln Sie Ihrer Tochter / Ihrem Sohn persönliche Einstellungen z. B. indem Sie das Rauchen konsequent ablehnen. Wichtig ist es auch, niemals mit Kindern oder Jugendlichen gemeinsam zu rauchen.

Ein Vorbild zu sein bedeutet nicht, keine Schwächen zu zeigen. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, aber Eltern, die für eine achtsame und respektvolle Umgebung sorgen, in der das Kind über seine Gefühle, Sorgen und Ängste sprechen kann. Wenn in Ihrer Familie mit Problemen, Schwächen und Widersprüchen offen und glaubwürdig umgegangen wird, lernt auch Ihr Kind schwierige Situationen zu bewältigen.

In einem positiven Umfeld kann auch ein Gespräch über das eigene Rauchverhalten Platz finden. Durch einen klaren und kritischen Umgang mit dem eigenen Rauchverhalten, versteht Ihr Kind die Probleme und Schwierigkeiten des Rauchens besser. Zeigen Sie Ihrem Kind bei ganz alltäglichen Dingen, wie man sich von einem anstrengenden Tag erholen kann, ohne zu rauchen, ohne Alkohol zu trinken oder vor dem Fernseher zu sitzen. Als Eltern geben Sie Ihrem Kind etwas ganz Wichtiges mit, wenn Sie ihnen vorleben, dass man sich durch Sport, kreative Tätigkeiten und gemütliches Nichtstun gut entspannen kann. Wenn Kinder unterschiedliche Genusssituationen kennenlernen, die ihnen auch helfen sich zu entspannen, brauchen sie später nicht auf andere Genussmittel, wie z. B. Zigaretten, zurückgreifen. Nützen und genießen Sie die gemeinsame Zeit und seien Sie sich Ihrer Vorbildwirkung bewusst!

2. Nehmen Sie eine klare Haltung gegen das Rauchen ein!

Mit einer klaren Haltung geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, sich an Ihnen zu orientieren. Indem Sie ihm zeigen, dass es mit Ihnen auch über Dinge sprechen kann, bei denen Sie nicht einer Meinung sind, geben Sie Ihrem Kind Sicherheit.

Mehrere Studien haben bewiesen: Die Ablehnung des Rauchens durch die Eltern hat einen wichtigen Einfluss auf das Nichtrauchen der eigenen Kinder. Das Nichtrauchen der Eltern alleine reicht nicht aus, ganz wesentlich ist das Signal der Ablehnung des Rauchens durch die Eltern – auch wenn Sie selber rauchen. Ihr Kind soll erleben, dass Nichtrauchen selbstverständlich ist, und Rauchen die Ausnahme.

Wichtig ist, dass Sie bei Ihrer Haltung bleiben – umso eher wird Ihr Kind nicht mit dem Rauchen beginnen! Und je später man zu rauchen anfängt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine dauerhafte Abhängigkeit entwickelt.

3. Überdenken Sie Ihren eigenen Umgang mit Tabak!

Die Erfahrung zeigt, dass der Umgang mit Alkohol, Tabak, Medikamenten, Essen, Medien, Glücksspiel, etc. bei Kindern und Jugendlichen zunächst sehr stark vom elterlichen Vorbild geprägt ist. Nach der Pubertät wird der Freundeskreis immer wichtiger. Trotzdem wirkt der Einfluss der Eltern immer noch. Eltern sein heißt auch, von seinem Kind beobachtet zu werden. Das Nachahmen erwachsener Handlungen, wie z. B. das „Rauchen“ mit einem Stift, zeigt, wie genau Kinder beobachten und wie häufig sie rauchende Personen wahrnehmen.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Eltern in Ihrem eigenen Umgang mit Tabak vertrauens- und glaubwürdig sind. Nehmen Sie dies zum Anlass, um Ihre eigenen Konsumgewohnheiten selbstkritisch zu hinterfragen und ändern Sie diese gegebenenfalls.

4. Stärken Sie Ihr Kind darin, selbstbewusst Nein zu sagen!

Viele Teenager fangen mit dem Rauchen an, um zu einer Gruppe dazuzugehören. Stärken Sie Ihr Kind darin, selbstbewusst „Nein“ sagen zu können! Akzeptieren Sie im Gegenzug auch in anderen Situationen ein „Nein“ Ihres Kindes Ihnen gegenüber und bitten Sie es darum, die Ablehnung auch mit Argumenten zu begründen. Treten Sie in eine Diskussion mit Ihrem Kind, nehmen Sie dabei die Gefühle und Meinungen Ihrer Tochter / Ihres Sohns ernst und fördern Sie unterschiedliche Sichtweisen.

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, sich im Freundeskreis Verbündete zu suchen, denn gemeinsam ist es einfacher, Gruppendruck zu widerstehen. Interessieren Sie sich für die Freunde Ihres Kindes und lenken Sie ganz bewusst den Blick auf die Freunde, die nicht rauchen. Der Freundeskreis kann dabei helfen, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen oder erfolgreich damit aufzuhören.

5. Bleiben Sie im Gespräch und nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind!

Ein gutes Gesprächsklima erleichtert in schwierigen Situationen den Kontakt zu Ihrem Kind. Auch Gespräche rund ums Rauchen benötigen eine gute Basis in der alle Meinungen Platz haben und eine wertschätzende Unterhaltung aber auch eine kritische Auseinandersetzung möglich sind.

Diskussion braucht Disziplin, auch wenn Emotionen im Spiel sind. Bleiben Sie ruhig, hören Sie gut zu und werten Sie nicht. Steigen Sie aus Machtkämpfen aus, um nach einer kurzen Ablenkung erneut das Gespräch aufzunehmen.

Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ändert sich laufend und was heute kein Thema ist, kann morgen brandaktuell sein. Daher ist es erforderlich, dass Sie richtig auf das jeweilige Alter und die entsprechende Lebensphase reagieren. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind im Gespräch bleiben. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und nehmen Sie sich Zeit! Schenken Sie ihm Vertrauen in sein Tun und Handeln. Ermutigen Sie Ihr Kind an einer Sache dranzubleiben, um diese positiv abzuschließen. Wenn Ihr Kind schon von klein an gelernt hat, dass es auch in schwierigen Situationen bei Ihnen ein offenes Ohr findet, so wird es dies auch als Jugendlicher suchen.

Warten Sie mit dem Gespräch über das Rauchen nicht, bis Ihr Kind beginnt Fragen zu stellen, sondern versuchen Sie das Thema von sich aus anzusprechen. Vor allem konkrete Anlässe wie ältere SchülerInnen, die auf dem Schulweg rauchen oder die Nichtraucher-Kennzeichnungen in z. B. Kaffeehäusern eignen sich gut, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Kinder oder Jugendliche die man beim Rauchen ertappt sollten nicht bestraft werden. Nutzen Sie die Situation für ein ausführliches und ehrliches Gespräch.

6. Nehmen Sie Fragen und Ängste ernst!

Bis 12-Jährige

Im Kindergartenalter fragen Kinder ständig nach dem warum. So wollen sie auch Klarheit darüber, warum jemand raucht (Antworten auf diese Frage finden Sie im Unterpunkt "Fragen und Antworten" bei Frage 11). Oft haben Kinder Ängste, dass geliebte Personen durch das Rauchen sterben. Nehmen Sie diese Ängste ernst! Dabei sollen nicht die tödlichen Auswirkungen im Vordergrund stehen, ,sondern die unangenehmen Folgen wie u. a. Geruch, Husten, Verfärbung der Fingernägel. Warum es so schwer fällt aufzuhören und warum mit dem Rauchen begonnen wurde, können Gesprächsthemen sein.

7. Sprechen Sie über Motive und Nachteile des Rauchens!

12- bis 15-Jährige

Sie sollten auf Belehrungen bei Jugendlichen verzichten. Auch „Verhörsituationen“ sind Jugendlichen unangenehm. Dabei fühlen sie sich in die Enge getrieben und reagieren mit Rückzug. Im Alter von 12 bis 15 Jahren haben wissenschaftliche Argumente eher wenig Bedeutung.  Am besten gelingt ein Gespräch, wenn man sich an den Motiven der Jugendlichen orientiert. Was können Vor- und Nachteile des Rauchens für Jugendliche sein? (Antworten dazu finden Sie im Unterpunkt "Fragen und Antworten" bei Frage 2). Sprechen Sie besonders über die möglichen Nachteile. Am meisten stören Jugendliche in diesem Alter der Gestank des Rauchs an Kleidern und Haaren, die hohen Kosten, der Rückgang der körperlichen Leistung, die Abhängigkeit und der damit verbundene Verlust der Freiheit. Gesundheitliche Folgen sind erst später ein Thema.

Über 15-Jährige

Bei über 15-jährigen Jugendlichen können Sie offener über die gesundheitlichen Risiken des Rauchens sprechen und über das Thema Passivrauch diskutieren. Besonders die Praktiken der Tabakindustrie sind für Jugendliche spannend, denn eines wollen sie auf keinen Fall – manipuliert werden.

Bestärken Sie Jugendliche, die erfolgreich nicht rauchen. Reden Sie auf Augenhöhe mit Ihrem Kind und hören Sie sich seine Meinung an. Formulieren Sie Botschaften in Ich-Form (z. B. „Ich möchte nicht, dass du rauchst.“ oder „Du und deine Gesundheit sind mir wichtig.“) und setzen Sie klare Regeln und Grenzen. In einem gemeinsamen Gespräch sollten diese diskutiert und beschlossen werden.

8. Setzen Sie klare Regeln und Grenzen!

Achten Sie darauf, dass die Konsequenzen bei Nichteinhalten der Regeln klar sind und auch eingehalten werden. Der größte Erfolg ist es, wenn sich Ihr Kind selbst Gedanken über sein Rauchverhalten macht, dies überdenkt und von selbst zu der Überzeugung gelangt, mit dem Rauchen aufzuhören bzw. nicht zu beginnen. Wenn Sie selber rauchen, dann besprechen Sie offen, wie es Ihnen mit dem Rauchen geht und was Ihre Schwierigkeiten oder Nachteile dabei sind.

Es kann sein, dass die Jugendlichen noch nicht bereit sind mit dem Rauchen aufzuhören. Versuchen Sie im Gespräch zu bleiben, denn zu einem späteren Zeitpunkt kann sich die Meinung ändern und die Jugendlichen sind wieder offener für Argumente.

9. Motivieren und belohnen Sie Ihr Kind!

Wenn Ihr Kind nicht raucht oder es geschafft hat erfolgreich damit aufzuhören,  dann kann es sehr motivierend und bestärkend sein, wenn es eine Belohnung dafür gibt. Überlegen Sie sich etwas, das Sie gemeinsam unternehmen könnten und geben Sie damit Anreiz und Anerkennung.

10. Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen!

Sollten Sie als Elternteil einmal nicht mehr weiter wissen, scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hilfe finden Sie bei den Anlaufstellen im Unterpunkt "Fragen und Antworten" bei Frage 13.