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Fragen und Antworten zum Thema Rauchen

Damit Ihnen für das Gespräch mit Ihrem Kind die Argumente nicht ausgehen, haben wir die Antworten auf wichtige Fragen für Sie zusammengefasst.

1. Was ist in Zigaretten enthalten?

Die Zigarette besteht aus den getrockneten Blättern der Tabakpflanze und aus künstlich beigemengten Zusatzstoffen. Der wohl bekannteste Bestandteil von Tabak ist Nikotin. Darüber hinaus kennt man rund 4.800 weitere Inhaltstoffe des Tabaks, die beim Rauchen inhaliert werden, so etwa Metalle wie Cadmium, Blei, Arsen und Nickel, die auch in Batterien enthalten und krebserregend sind. Die meisten dieser Stoffe sind so klein, dass sie beim Einatmen bis in die Lunge vordringen können. Über 70 der bisher erforschten Substanzen des Tabakrauchs sind nachweislich oder sehr wahrscheinlich krebserregend. Die chemische Zusammensetzung des Passivrauchs unterscheidet sich nicht.

Zusatzstoffe werden von der Tabakindustrie beigemengt, um das Rauchen angenehmer zu machen. Gleichzeitig wird das Suchtpotential erhöht und der Einstieg für  Jugendliche erleichtert. So enthält die Zigarette auch Menthol, um den Hustenreiz zu mindern, Zucker, um die Schärfe des Rauchs weicher zu machen und Ammoniak, um die Aufnahme des Nikotins im Gehirn zu erhöhen.

Wussten Sie, dass ...

... Zigaretten auch Blausäure und Polonium 210 enthalten? Blausäure, auch in Schädlingsbekämpfungsmitteln wie Rattengift und Pflanzenschutzmitteln enthalten, ist genauso Teil des Tabaks wie Formaldehyd, das chronische Entzündungen der Atemwege verursacht. Wer raucht, atmet auch Polonium 210 ein, ein radioaktives Element. Wer 25 Jahre lang zwei Schachteln täglich raucht, hat eine 40 Mal höhere Strahlenbelastung als jemand, der nicht raucht.

Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2005): Rauchen. Köln.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2005): Erhöhte Gesundheitsgefährdung durch Zusatzstoffe  in Tabakerzeugnissen – Konsequenzen für die Produktregulation. Heidelberg.
  • Pötschke-Langer M, Schulze A, Klein R (2005): Zusatzstoffe in Tabakprodukten – neue Erkenntnis oder altes Wissen? In: Batra A (Hrsg.): Tabakabhängigkeit. Wissenschaftliche Grundlagen und Behandlung. Stuttgart (Kohlhammer Verlag).

2. Warum rauchen Kinder und Jugendliche?

Wie viele Menschen in meinem Umfeld rauchen? Wird Rauchen gut geheißen oder nicht? Wie leicht sind Zigaretten verfügbar? All das spielt eine Rolle, ob jemand zu rauchen beginnt oder nicht. Auch mangelndes Selbstbewusstsein, mediale Verführung und Werbung, Gruppendruck und Problembewältigung sind für Jugendliche häufige psychologische Motive, um mit dem Rauchen zu beginnen.

Bedeutsam sind darüber hinaus rauchende Vorbilder – sowohl mediale als auch reale. Umgekehrt gaben nichtrauchende SchülerInnen in Befragungen vor allem gesundheitliche, ästhetische und finanzielle Gründe für ihr Nichtrauchen an. Außerdem sehen sie keinen Vorteil und keinen Sinn im Rauchen.

Beim Rauchen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Burschen haben durchschnittlich ein höheres Maß an körperlicher Abhängigkeit. So rauchen sie häufiger täglich und bereits früher am Tag. Bei Mädchen dagegen wird die Zigarette häufiger eingesetzt, um das Gewicht zu halten und Hungergefühle zu unterdrücken. Darüber hinaus versuchen Mädchen häufiger als Burschen, ihre Stimmung durch das Rauchen zu regulieren.

Wussten Sie, dass …

… viele Jugendliche Tabakprodukte probieren, aber viele auch wieder aufhören? In der Steiermark rauchen 12,6 Prozent der 15-Jährigen täglich und weitere 20,7 Prozent gelegentlich. 63,6 Prozent gaben an, Erfahrung mit Tabak zu haben. Das heißt, während zwei Drittel mindestens einmal im Leben ein Tabakprodukt probiert haben, entwickelt rund ein Drittel ein regelmäßiges Konsumverhalten. Wer mit 25 Jahren noch nicht mit dem Rauchen begonnen hat, hat statistisch gute Chancen, lebenslang NichtraucherIn zu bleiben.

Quellen:
  • Dür W (2003): Raucherkarrieren. Wie Jugendliche zu Raucher/innen werden. Keutschach.
  • Fernandez K, Posch W  (2011): Tabakpräventionsstrategie Steiermark. Grundlagen, Ziele und Maßnahmen 2007 bis 2010. Graz (VIVID). (SchülerInnen 11-15 Jahre, N=2000. Erwachsene: ab 15 Jahren. N=3000).
  • Sargent JD, Hanewinkel R (2009): Comparing the effects of entertainment media and tobacco marketing on youth smoking in Germany.  Addiction 104(5)/2009 (815-823).
  • Schneider S, Loeber S, Janssen M, Roehrig S, Solle D (2010): What prevents young adolescents from smoking? Self-reported motives of 12-15-year-old non-smokers. Health Policy 95(1)/2010 (36-40).
  • US Department of Health and Human Services (2012): Preventing Tobacco Use Among Youth and Young Adults: a report of the Surgeon General. US Department of Health and Human Services. Public Health Service. Office of the Surgeon General. Rockville.

3. Was ist Passivrauch?

Unter Passivrauchen versteht man die Aufnahme von Tabakrauch aus der Raumluft. Dieser besteht zu 80 bis 85 Prozent aus dem so genannten Nebenstromrauch, der vom glimmenden Ende der Zigarette in die Luft abgegeben wird.

Wer als Kind zuhause Passivrauch ausgesetzt war, beginnt als TeenagerIn mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst zu rauchen. Dies ist einerseits auf die Vorbildwirkung der Eltern und auf die elterliche Toleranz dem Rauchen gegenüber zurückzuführen. Andererseits entwickelt bereits der kindliche Körper ein „Suchtgedächtnis“, sodass in vielen Fällen rascher eine körperliche Abhängigkeit entsteht.

Passivrauch enthält die gleichen giftigen und krebserzeugenden Substanzen wie der vom Rauchenden inhalierte Rauch. Daher ist es schädlich, wenn man regelmäßig Passivrauch in Räumen ausgesetzt ist. Besonders betroffen davon sind Mitarbeitende der Gastronomie.

Passivrauchen verursacht zahlreiche Erkrankungen wie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, Frühgeburten, Infekte und Kopfschmerzen. Kinder, deren Eltern zuhause rauchen, leiden häufiger unter Mittelohrentzündungen, Atemwegserkrankungen und erhöhtem Blutdruck. Da Tabakrauch auch in den Stoffwechsel eingreift, erhöht sich auch die Neigung zu Übergewicht im Erwachsenenalter.

Laut VIVID-Bevölkerungsbefragung 2009 sind in der Steiermark rund ein Viertel der 11- bis 15-Jährigen zu Hause regelmäßig Passivrauch ausgesetzt. 18,3 Prozent der befragten Kinder geben an, dass im Auto regelmäßig geraucht wird und 28,9 Prozent, dass bei ihnen zuhause zumindest gelegentlich in den Räumen geraucht wird.

Wussten Sie, dass

... Babys erste Windel verrät, ob die Mutter während der Schwangerschaft geraucht hat oder nicht? Auch Spuren von Passivrauch sind im so genannten Kindspech (erster Stuhl eines Neugeborenen) nachweisbar, ergab eine Studie aus den USA. Sie untersuchte das Kindspech auf den Gehalt von Cotinin, einem Abbauprodukt von Nikotin. Je mehr die Mutter geraucht hatte oder Passivrauch ausgesetzt war, desto höher war der Cotinin-Wert der Neugeborenen.

Quellen:

  • Braun JM et al. (2010):  A prospective cohort study of biomarkers of prenatal tobacco snoke exposure: the correlation between serum and meconium and their association with infant birth weight. Environmental Health 2010, 9:53.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.)(2003): Passivrauchrauchende Kinder in Deutschland. Frühe Schädigung für ein ganzes Leben. Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle Band 2. Heidelberg.
  • Fernandez K, Posch W  (2011): Tabakpräventionsstrategie Steiermark. Grundlagen, Ziele und Maßnahmen 2007 bis 2010. Graz (VIVID).
  • Mak KK, Ho SY, Day JR (2012): Smoking of parents and best-friend – independent an combined effects on adolescent smoking and intention to initiate and quit smoking. Nicotine Tob Res. 2012 February 17 (2).
  • Simonetti GD, Schwertz R, Klett M, Hoffmann GF, Schaefer F, Wühl E (2011): Determinants of Blood Pressure in Preschool Children. The Role of Parental Smoking. Circulation, American Heart Association Inc. Jan/2011.
  • US Department of Health and Human Services (2006): The health consequences of involuntary exposure to tobacco smoke. A report of the Surgeon General. Washington. USA.

4. Was hat Rauchen mit Unfruchtbarkeit, Diabetes und Zahnproblemen zu tun?

Rauchen kann jedes Organ des Körpers schädigen, weil Tabakrauch über den Blutkreislauf in den gesamten Körper gelangt. Besonders stark betroffen sind die Atemwege und das Herz-Kreislaufsystem. So erkranken rauchende Menschen deutlich häufiger an Lungenkrebs und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder erleiden einen Schlaganfall bzw. Herzinfarkt. Besonders frühe Herzinfarkte (vor dem 55. Lebensjahr) betreffen überwiegend Rauchende.

Wie der deutsche Krebsatlas feststellt, ist Rauchen Hauptursache von 25 bis 30 Prozent aller Krebserkrankungen. Andere Erkrankungen treten ebenso mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit auf, wenn man raucht: beispielsweise Unfruchtbarkeit, Osteoporose, Diabetes Typ 2, Wundheilungsstörungen, Impotenz, Zahnverlust, Parodontitis, Karies, Komplikationen in der Schwangerschaft, Grauer Star und Netzhautveränderungen bis hin zur Erblindung. Die Einnahme der Antibabypille erhöht für rauchende Frauen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um ein Vielfaches. Wer raucht, hat eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für all diese Erkrankungen. Das wurde durch viele internationale Studien nachgewiesen.

Laut Statistik kostet Rauchen durchschnittlich 7,3 Lebensjahre bei Frauen und 9,4 Jahre Lebenszeit bei Männern. Tabakassoziierte Erkrankungen sind auch in Österreich die häufigste Todesursache. Tabakprodukte sind in jeder Form gesundheitsschädlich – egal ob geraucht, gekaut, gelutscht oder geschnupft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Rauchen als „die größte vermeidbare Todesursache weltweit“. Laut WHO sterben weltweit jährlich rund sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. In Österreich starben im Jahr 2009 8.903 RaucherInnen an Erkrankungen, die mit ihrem Konsum von Tabak in Verbindung gebracht werden. Das waren 17 Prozent aller Todesfälle bei Männern und sieben Prozent bei Frauen.

Wussten Sie, dass ...

… es für den Körper sehr viel bringt, mit dem Rauchen aufzuhören? Bereits zwölf Stunden nach der letzten Zigarette sinkt der Kohlenmonoxid-Spiegel. Nach zwei Wochen bis drei Monaten verbessern sich Kreislaufsituation, Lungenfunktion und Kurzatmigkeit. Nach einem Jahr ist das Herzinfarktrisiko nur mehr halb so groß. Deutlich werden die Vorteile des Rauchstopps auch am Lungenkrebsrisiko: Im Alter von 70 Jahren ist jede/r sechste lebenslange RaucherIn an Lungenkrebs erkrankt, aber nur jede/r 250. lebenslange NichtraucherIn.

Quellen:

  • Parkin DM, Boyd L, Walker LC (2011): The fraction of cancer attributable to lifestyle and environmental factors in the UK in 2010. British Journal of Cancer (2011) 105, S77-S81.
  • Peto R, Darby S, Deo H et al. (2000): Smoking, smoking cessation and lung cancer in the UK since 1950: Combination of national statistics with two case-control studies. BMJ. August 5. 321 (7257): 323-329.
  • US Department of Health and Human Services (2004): The health consequences of smoking. A report of the Surgeon General. Atlanta.
  • World Health Organisation (Hrsg.) (2008) mpower – fresh and alive. WHO Report on the Global Tobacco Epidemic.
  • World Health Organization (Hrsg.) (2011): WHO report on the global tobacco epidemic. Warning about the dangers of tobacco.
  • Peto R, Lopez AD, Boreham J,  Thun M (2012): Mortality from smoking in developed countries 1950−2005 (or later).
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (2014): Rauchen ist wichtigster Risikofaktor für frühen Herzinfarkt –Schon jugendliche Gefäße durch Zigaretten gefährdet. Barcelona.
  • Giuseppe D et al. (2014): Cigarette smoking and risk of rheumatoid arthritis: a dose-response meta-analysis. Arthritis Research & Therapy. 16:R61.
  • Kuanrong L et al .(2014): Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study. BMC Medicine. 12:59.
  • Statistik Austria (2014): Jahrbuch der Gesundheitsstatistik. Wien.

5. Wie arbeitet die Tabakindustrie?

Die Werbung für Zigaretten und andere Tabakprodukte ist in der EU durch eine Richtlinie eingeschränkt, aber nicht verboten. Im Rundfunk sind alle Formen der Tabakwerbung verboten, in Printmedien gibt es Ausnahmen, und Werbung im Internet ist nur sehr vage geregelt.

Die Tabakindustrie nutzt gesetzliche Lücken und hat ihre Strategien dementsprechend verändert. Gegenwärtig wird an „verantwortungsvolle RaucherInnen“ mit „freiem Willen“ appelliert. Rauchen wird als bewusst in Kauf genommenes Risiko dargestellt, und offiziell richtet man sich nur an Erwachsene. Zielgruppe der Tabakindustrie sind aber ganz klar auch Jugendliche. Da dies gesellschaftlich immer weniger akzeptiert wird, richtet sich das Marketing jetzt verstärkt an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren.

Dabei wird häufig unter der Grenze des Wahrnehmbaren agiert: So betreibt die Tabakindustrie Imagepflege mittels kulturellem und sozialem Engagement, sponsert wissenschaftliche Einrichtungen und macht Eventmarketing. Das Sponsern von Rauchen im Film ist üblich, ebenso wie das Verteilen von Werbematerialien. So werden DiskobesucherInnen mit Zigarettenpapier und Gastronomiebetriebe mit Sonnenschirmen und Raucherzelten versorgt. Gut belegt ist auch massives Lobbying in der Politik, um strengere Gesetze zu verhindern.

Ziel aller Marketingaktivitäten ist, das Rauchen mit Positivem in Verbindung zu bringen, etwa mit Abenteuer, Liebe, Freundschaft, Coolness, Entspannung, Emanzipation und Idolen. Es geht stark um das Image. Darüber hinaus sollen die Konzerne als verantwortungsvoll und die Rauchenden als freiwillig Konsumierende dargestellt werden.

Eine konsumkritische Haltung von frühester Jugend an kann einer Manipulation durch Tabakkonzerne vorbeugen.

Wussten Sie, dass ...

… Tabakkonzerne Freihandelsabkommen nutzen, um staatliche Regulierungen zu verhindern? Wenn einem Tabakkonzern ein Gesetz zum Gesundheitsschutz nicht passt, konstruiert er daraus einen Verstoß gegen Handelsabkommen. So verklagte Philip Morris Uruguay, weil das Land große bildliche Warnhinweise auf Zigarettenpackungen vorschreibt, und Australien wegen der Einführung standardisierter Verpackungen. Kleine Staaten können solche Klagen an den Rand des finanziellen Ruins treiben. Oft reicht bereits ein Drohbrief eines internationalen Tabakkonzerns, um Staaten von Gesetzen zu Nichtraucherschutz und Tabakkontrolle abzubringen.

Quellen:
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.)(2005): Die Tabakindustriedokumente I: Chemische Veränderungen an Zigaretten und Tabakabhängigkeit. Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle. Band 3. Heidelberg.
  • T (2007): Das Kindermarketing der Zigarettenindustrie und rechtspolitische Empfehlungen. Vortrag auf der 5. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle 6.12.2007. Heidelberg.
  • F (1929): Tabak und Tabakrauch als ätiologischer Faktor des Carcinoms. Zeitschrift für Krebsforschung. 30: 349-65.
  • FH (1939): Tabakmissbrauch und Lungencarcinom. Zeitschrift für Krebsforschung. 49: 57-85.
  • 2003/33/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Mai 2003 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Werbung und Sponsoring zugunsten von Tabakerzeugnissen.
  • http://www.nosafecigarette.com/de/verpackung/
  • Stanford School of Medicine (2012): Stanford Research into the Impact of Tobacco Advertising (http://tobacco.stanford.edu/tobacco_main/index.php).
  • http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/index_de.htm

6. Warum zerstört Rauchen die Umwelt?

Rauchen trägt zur Ausbeutung von Menschen in Niedriglohnländern und zur Umweltverschmutzung bei. Heute wird Tabak vor allem in armen Regionen Brasiliens, Afrikas, Chinas, Indiens und den USA angebaut und führt dort zu sozialen Problemen: Tabakbauern sind von wenigen weltweiten Konzernen abhängig, welche den Preis diktieren. Sie arbeiten unter schlechten arbeitsrechtlichen Bedingungen zu Billiglöhnen. Kinderarbeit steht oft an der Tagesordnung. Pestizidvergiftungen und die „Grüne Tabakkrankheit“ sind häufige Folgen der Arbeit in Anbau und Ernte. Außerdem wurden vielerorts Flächen, auf denen traditionell Nutzpflanzen angebaut wurden, durch Tabakfelder ersetzt, was in manchen Gebieten zu Mangelernährung führt.

Tabakanbau und -produktion führen auch zu Umweltproblemen: Durch den Anbau sinkt der Grundwasserspiegel, Erosionen sind die Folge. Tabakpflanzen entziehen dem Boden deutlich schneller und mehr Nährstoffe als alle anderen Nahrungs- und Nutzpflanzen, sodass die Fruchtbarkeit des Bodens rapide abnimmt. Für die Trocknung der Tabakblätter werden Regenwälder abgeholzt.

Wie die Weltgesundheitsorganisation errechnete, fallen in den Subtropen jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Hektar Waldland dem Tabakanbau zum Opfer. Wer täglich 20 Zigaretten raucht, vernichtet alle drei Monate einen Tropenbaum. Allein durch die steirischen RaucherInnen lösen sich demnach jährlich etwa 1,2 Millionen subtropische Bäume in Rauch auf.

Wussten Sie, dass ...

... im südostafrikanischen Malawi zehntausende Kinder durch die Arbeit auf Tabakplantagen an einer schweren Nikotinvergiftung leiden? Laut einer Studie nehmen die oft gerade erst einmal fünf Jahre alten Kinder bei der Arbeit auf den Tabakfeldern täglich bis zu 54 Milligramm des Nervengiftes Nikotin auf – so viel wie beim Rauchen von 50 Zigaretten. Im verarmten Malawi arbeiten an die 80.000 Kinder bis zu zwölf Stunden täglich auf Plantagen und das oftmals für einen Hungerlohn von weniger als einem Cent pro Stunde.

Quellen:

  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2009): Umweltrisiko Tabak – von der Pflanze zur Kippe. Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle. Band 11. Heidelberg.
  • International (2009): Hard work, long hours and little pay. Research with children working in tobacco farms in Malawi.

7. Macht Rauchen schlank?

Rauchen macht nicht schlank. Wer mit dem Rauchen beginnt, nimmt dadurch nicht ab. Aber wer aufhört, nimmt häufig an Gewicht zu. Das hat mehrere Gründe: Der Grundumsatz steigt durch das Rauchen leicht, da der Körper ständig entgiften muss. Nach dem Aufhören sinkt er wieder. Darüber hinaus wird das Nicht-Mehr-Rauchen häufig mit Essen kompensiert. Viele Situationen, in denen vorher geraucht wurde, verleiten nun zum Essen. Das Essen schmeckt auch besser, da sich Geschmacks- und Geruchssinn erholen.

Viele Rauchende zögern damit, das Rauchen aufzugeben, da die Angst vor einer Gewichtszunahme groß ist. Davon betroffen sind rund die Hälfte der Raucherinnen und etwa ein Drittel der Raucher. Meistens wird das Ausmaß der Gewichtszunahme überschätzt. Rund 80 Prozent der Ex-Rauchenden nehmen im Durchschnitt rund 4,5 Kilogramm zu. Darin inkludiert sind sowohl sehr stark zunehmende Ex-Rauchende (10 Kilogramm und mehr) als auch Rauchende, die gar nicht zunehmen oder sogar abnehmen. Das Gewicht legen Ex-RaucherInnen in der Regel innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach dem Rauchstopp zu. Danach verändert sich das Gewicht nur noch unwesentlich.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren für eine Gewichtszunahme. Dazu zählen die Anzahl der täglich konsumierten Zigaretten sowie die genetische Veranlagung. Außerdem sind laut Statistik jüngere Rauchende, allein lebende Personen und Menschen mit einem sozioökonomisch schwachen Hintergrund besonders gefährdet, zuzunehmen. Weitere Risikofaktoren sind wenig Bewegung und ungesunde Ernährung nach dem Rauchstopp.

Aber Rauchen hat auch einen anderen „gewichtigen“ Aspekt: Eine Studie bestätigt den Zusammenhang von Rauchen in der Schwangerschaft und späterem Übergewicht des Kindes. Rauchen in der Schwangerschaft führt zu einem niedrigeren Geburtsgewicht. Nach der Geburt nehmen diese Babys in der Säuglings- und Kindheitsphase aber rasch an Gewicht zu und werden häufiger übergewichtig als Kinder von Nichtraucherinnen. Begründbar ist dies durch die schlechte Nährstoffversorgung des Fötus, welche den Insulinstoffwechsel und die Körperfettverteilung nach der Geburt des Kindes beeinflusst. Eine andere Studie stellte fest, dass Rauchen in der Jugend bei Frauen das Gewicht im Erwachsenenalter durchschnittlich erhöht.

Wussten Sie, dass ...

... sich über einen längeren Zeitraum betrachtet das Gewicht von Ex-Rauchenden und jenes von lebenslangen Nichtrauchenden durchschnittlich nicht unterscheidet? Auch wer nie geraucht hat, nimmt im Laufe des Lebens in ähnlichem Ausmaß zu wie längerfristige Ex-Rauchende.

Quellen:

  • Chatkin R, Chatkin JM (2007): Smoking and changes in body weight: can physiopathology and genetics explain this association? J Bras Pneumol. 33:712-719.
  • Krebsforschungszentrum Heidelberg (Hrsg.)(2011): Gewichtszunahme durch einen Rauchstopp – ein begrenztes Problem. Fakten zum Rauchen. Heidelberg.
  • T (2010): Maternal smoking during pregnancy and offspring obesity: Meta-analysis. Pediatrics International. 52: 94-9.
  • DL, Nygard JF, Sorensen T (2009): Do quitters have anything to loose? Changes in body mass index for daily, never, and former smokers over an 11-year period (1990-2001). Scand J Public Health. 37: 774-777.
  • B et al. (2009): Behavioral intervention to promote smoking cessation and prevent weight gain: a systematic review and meta-analysis. Addiction. 104: 1472-1486.
  • SE et al (2009): Association of smoking in adolescence with abdominal obesitiy in adulthood: A follow-up study of 5 birth cohorts of finnish twins. Am J Public Health. 99(2): 348-354.

8. Wie viel kostet das Rauchen?

Im Durchschnitt rauchen die täglich rauchenden SteirerInnen 17,84 Zigaretten pro Tag. Wer täglich eine Schachtel „Marlboro“, die beliebteste Marke Österreichs, raucht, den kostet das Rauchen bei einem Packungspreis von 4,90 Euro jährlich 1.788 Euro.

Ein großer Anteil des Geldes geht in Form der Tabaksteuer an den Staat. Für eine Packung Zigaretten, die 4,90 Euro kostet, liegt der Tabaksteueranteil bei 2,86 Euro. Im Jahr 2011 nahm der Staat Österreich insgesamt 1,57 Milliarden Euro an Tabaksteuer ein, das sind 186 Euro jährlich pro Kopf.

Den Einnahmen des Staates stehen jedoch hohe Kosten gegenüber. Denn Rauchen und Passivrauchen verursachen durch ihr Krankheitspotenzial volkswirtschaftlich enorme Kosten: Krankengeld, medizinische Kosten, Invaliditätspensionen und vieles mehr.

Laut Berechnung einer österreichischen Studie brachte der Tabakkonsum dem Staat Österreich im Jahr 2003 Einnahmen in der Höhe von 1,13 Milliarden Euro. Im Gegenzug entstanden im selben Jahr durch das Rauchen jedoch Kosten in Höhe von 1,64 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Differenz von etwa 511 Millionen Euro, wovon rund 118 Millionen Euro auf Passivrauchen zurückgeführt werden können. Somit überwiegen eindeutig die Kosten, die dem Staat durch den Tabakkonsum entstehen.

Wussten Sie, dass ...

... im Jahr 2010 durchschnittlich jeder österreichische Haushalt 660 Euro für Tabakwaren ausgab? Das ist gleich viel wie für Bildung und Erziehung. Eine andere Untersuchung stellte fest, dass 2008 in Österreich 1,8 Prozent aller Haushaltsausgaben auf Tabak entfielen. Für Essen wurden 18 Prozent, für Wohnen und Verkehr je 17 Prozent ausgegeben. Bedenkt man, dass die Nichtrauchenden in der Mehrheit sind – je nach Untersuchung beträgt der Anteil der nichtrauchenden Erwachsenen zwischen 60 und 80 Prozent – so sind diese Zahlen enorm hoch.

Quellen:

  • ACNielsen Marktforschung (2012) http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/448932_Austria-Tabak-schrumpft.html (Artikel vom 06.04.2012).
  • Fernandez K., Posch W. (2011): Tabakpräventionsstrategie Steiermark. Grundlagen, Ziele und Maßnahmen 2007 bis 2010. Graz: VIVID – Fachstelle für Suchtprävention, Eigenverlag.
  • Neuberger M., Pock M. (2009): Einnahmen des Staates aus dem Zigarettenkonsum Minderjähriger in Österreich. In: Wiener klinische Wochenschrift. Jg. 121.
  • Pock M., Czypionka T., Müllbacher S., Schnabl A. (2008): Volkswirtschaftliche Effekte des Rauchens. Eine ökonomische Analyse für Österreich. Institut für höhere Studien. Wien.
  • www.ris.bka.gv.at
  • www.statistik.at (Stand 02.10.2012).
  • www.tobaccoland.at (Stand 07.10.2012).

9. Sind Rauchverbote sinnvoll?

Rauchverbote sind sinnvoll, aber sie sind nicht die alleinige Lösung. Ihre Wirkung wird durch andere Maßnahmen verstärkt: Prävention, Tabakentwöhnung, Weiterbildungen für Gesundheitsberufe und bestenfalls weitere strukturelle Maßnahmen wie standardisierte Zigarettenpackungen, aktive Bekämpfung des illegalen Zigarettenhandels, Anheben der Steuer und ein generelles Werbeverbot für Tabakwaren. Das zumindest empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wirksames Maßnahmenbündel, um den Anteil der Rauchenden zu senken.

Die Diskussion um Rauchverbote entzündet sich meistens an der Frage nach einer rauchfreien Gastronomie. Sie ist ein Symbol dafür, ob in einer Gesellschaft Rauchen oder Nichtrauchen die Norm ist. Da viele Jugendliche beim Fortgehen mit dem Rauchen beginnen, erschweren rauchfreie Lokale den Rauchbeginn. Und sie erleichtern jenen, die mit dem Rauchen aufhören wollen – in der Steiermark sind dies immerhin 51,5 Prozent – das Aufhören. Darüber hinaus werden insbesondere die Bediensteten vor Passivrauch geschützt.

Je nach Betriebsgröße gilt in Österreich für die Gastronomie ein Rauchverbot mit Ausnahmen. Der Schutz vor Passivrauch ist durch offene Türen zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich häufig nicht gewährleistet. An österreichischen Arbeitsplätzen gilt zwar generell ein Rauchverbot, jedoch nicht in Aufenthalts- und Bereitschaftsräumen. Österreich ist u.a. aufgrund dieser Gesetze laut „European Tobacco Control Scale 2013“ der raucherfreundlichste von 34 untersuchten europäischen Staaten und gilt als „Aschenbecher Europas“.

Aber europäische Standards kehren auch in Österreich ein: Eine Novelle des Tabakgesetzes legt ab 1. Mai 2018 ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie fest. Dieses gilt auch für E-Zigaretten und auch auf Zeltfesten und (im Beisein von Kindern) in Vereinsräumen.

Viele Länder, darunter Kanada, Australien, Großbritannien und USA, haben seit langem ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie. Dort wurde beobachtet, dass mittelfristig auch das Rauchen zuhause in den eigenen vier Wänden abnahm. Die Menschen rauchten mit der Zeit insgesamt weniger oder nur im Freien. Weder Umsatzeinbußen in der Gastronomie noch Arbeitsplatzverluste traten ein, obwohl sie prognostiziert waren.

Die beste Wirksamkeit haben Rauchverbote, wenn sie mit anderen Maßnahmen (z. B. Werbeverboten und höherer Tabaksteuer) kombiniert und durch Angebote wie Prävention und Tabakentwöhnung ergänzt werden.

Wussten Sie, dass ...

… ein Rauchverbot in der Gastronomie die durch Passivrauch bedingten Gesundheitsbeschwerden der Beschäftigten reduzieren kann? Wie mehrere internationale Studien zeigen, gilt dies sowohl für Atemwegsbeschwerden als auch für Irritationen von Augen, Nase und Rachen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass mittelfristig die Herzinfarktrate sinkt. In Schottland wurde nach Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie ein Sinken der Frühgeburtenrate festgestellt.

Quellen:

  • Bundesgesetz über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (BGBl. Nr. 450/1994). § 30.
  • Bundesgesetz über das Herstellen und das Inverkehrbringen von Tabakerzeugnissen sowie die Werbung für Tabakerzeugnisse und den Nichtraucherschutz (BGBl. Nr. 431/1995). § 13a.
  • Mackay DF, Nelson SM, Haw SJ, Pell JP (2012): Impact of Scotland’s smoke free Legislation complications: Retrospective cohort study. PLos Med 9(3)/2012. e1001175. doi:10.1371/journal.pmed.1001175.
  • Bundesgesetz über das Herstellen und das Inverkehrbringen von Tabakerzeugnissen sowie die Werbung für Tabakerzeugnisse und den Nichtraucherschutz (BGBl. Nr. 431/1995). §12, §13 und § 13a.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (2012 ): http://www.protection-of-minors.eu/de/cat7.php
  • Schulordnung (BGBl. Nr. 373/1974). § 9. Absatz 2.
  • Steiermärkisches Jugendschutzgesetz (LGBl. Nr. 80/1998). § 9. Absatz 1 und 4.
  • Tabakgesetz (Stand 20.11.2015)
  • Tabacco Control Scale (Stand 20.11.2015)

10. Wie gefährlich sind E-Zigaretten?

Elektrische Zigaretten – auch „E-Zigaretten“ genannt – sind ein junges Produkt: 2004 kamen sie in China erstmals auf den Markt. Inzwischen sind sie auch in Europa erhältlich. Die E-Zigarette ist ein Gerät, das mittels Akku aufgeladen wird und in dem eine Flüssigkeit („Liquid“ genannt) zum Verdampfen gebracht wird. Das entstehende Aerosol wird eingeatmet. Im Unterschied zur herkömmlichen Zigarette findet kein Verbrennungsprozess statt.

Häufig werden E-Zigaretten als „gesunde“ Alternative zu herkömmlichen Zigaretten vermarktet. Das sollte kritisch hinterfragt werden: Die Weltgesundheitsorganisation bewertet E-Zigaretten als gesundheitlich bedenklich. Der Dampf enthält gesundheitsschädigende Stoffe und geringe Mengen krebserzeugender Substanzen. Er kann die Atemwege schädigen. Eine Gesundheitsgefährdung kann daher weder für den aktiven noch für den passiven Konsum ausgeschlossen werden. Langzeitstudien waren noch nicht möglich.

E-Zigaretten gibt es mit oder ohne Nikotin. Sie werden in vielfältigen Geschmacksrichtungen vermarktet: von Schokolade bis Pina Colada, von Pfefferminz bis Himbeere, von Cola bis Vanille, von Erdbeere bis Whiskey. Die Geschmacksrichtungen sollen besonders Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen. Es steht im Raum, dass sie auch Kinder zum Probieren verführen können. Enthalten E-Zigaretten Nikotin, so können sie genauso süchtig machen wie herkömmliche Zigaretten.

Auch ihre Wirkung für die Tabakentwöhnung konnte nicht bewiesen werden. Im Gegenteil: viele Menschen steigen auf E-Zigaretten um und kehren bald darauf wieder zu herkömmlichen Zigaretten zurück.

2013 wurden weltweit E-Zigaretten für etwa 2,5 Milliarden US-Dollar verkauft. Immer mehr große Tabakkonzerne setzen auf E-Zigaretten, weil sie darin einen wichtigen Zukunftsmarkt sehen. Sie versuchen zu verhindern, dass E-Zigaretten gesetzlich geregelt werden. In Österreich gelten Rauchverbote ab Mai 2016 auch für E-Zigaretten. Hinsichtlich Werbung und Besteuerung haben sie weniger Auflagen als andere Zigaretten. Der Jugendschutz zu E-Zigaretten ist nur in manchen Bundesländern geregelt. Manchmal werden E-Zigaretten auch als „E-Shisha“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um das gleiche Produkt unter anderem Namen.

Wussten Sie, dass ...

… laut einer Deutschen Studie E-Zigaretten häufig nur sehr kurz genutzt werden? Zwar hat jede / jeder fünfte deutsche Rauchende bereits eine E-Zigarette probiert, aber nur 0,4 Prozent blieben dabei. E-Zigaretten sind demnach kein wirksames Mittel zur Entwöhnung. Nur 0,2 Prozent der Ex-Rauchenden haben sich mithilfe von E-Zigaretten das Rauchen abgewöhnt.

Quellen:

  • Alpert HR, Koh H, Connolly GN (2008): Free nicotine content and strategic marketing of moist snuff tobacco products in the United states: 2000-2006. Tob Control 17/2008 (332-338).
  • Bundesinstitut für Risikobewertung  (2009): Gesundheits- und Suchtgefahren durch Wasserpfeifen. Aktualisierte Gesundheitliche Bewertung. Nr. 011/2009.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2006): Rauchlose Tabakprodukte: Jede Form von Tabak ist gesundheitsschädlich. Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle. Band 6. Heidelberg.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2010): Elektrische Zigaretten.  Aus der Wissenschaft  - für die Politik. Heidelberg.
  • WHO (2009): Marketers of electronic cigarettes should halt unproved therapy claims.
  • WHO (2014): Electronic nicotine delivery stystems
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (2010): Elektrische Zigarette. Aus der Wissenschaft - für die Politik. Heidelberg.
  • Österreichische ARGE Suchtvorbeugung (2014): Wirksame Maßnahmen der Tabakprävention aus Sicht der österreichischen Suchtprävention. Stellungnahme der Österreichischen ARGE Suchtvorbeugung an das BM für Gesundheit.

11. Ist Rauchen Sucht oder nur ein Laster?

Nicht alle Menschen, die rauchen, weisen Anzeichen einer Sucht auf. Aber ein Großteil der Rauchenden ist abhängig, wie Studien belegen. Das bedeutet, es hat körperliche und psychische Auswirkungen, wenn sie aufhören. Das Bedürfnis nach der nächsten Zigarette wird – zumindest vorübergehend – so stark, dass man es wieder befriedigen will.

Süchtig macht beim Rauchen der Bestandteil Nikotin, der nach der Inhalation in sieben bis zehn Sekunden das Gehirn erreicht und dort im „Belohnungszentrum“ wirkt. Dort setzt Nikotin den „Glücksbotenstoff“ Dopamin frei. Die Folge: Rauchen wird als angenehm empfunden. Sobald sich der Körper an das Nikotin gewöhnt hat, verlangt er immer öfter danach. So werden viele Rauchende süchtig nach Zigaretten. Können sie nicht rauchen, sind sie mitunter nervös und gereizt. Rauchen wird dann als Entspannung empfunden, obwohl die Anspannung in Wirklichkeit vom leichten Entzug kommt.

Es gibt keine klare Menge an gerauchten Zigaretten, ab der man abhängig ist, da dies auch von vielen anderen Faktoren abhängt. Aber Nikotin zählt zu den am schnellsten abhängig machenden Substanzen. Aufgrund der raschen Aufnahme ins Gehirn und der speziellen Wirkung hat es ein ähnliches Suchtpotenzial wie Heroin und Kokain. Laut einer kanadischen Studie mit 1.300 Schülerinnen und Schülern stellten sich durchschnittlich bereits zweieinhalb Monate nach dem ersten Paffen und gelegentlichen Probieren Zeichen mentaler Abhängigkeit ein. Fünf Monate nach der ersten Zigarette berichteten die SchülerInnen über suchttypisches „Craving“ (Substanzverlangen) und körperliche Abhängigkeit, elf Monate danach von Entzugssymptomen.

Wussten Sie, dass ...

… in der Steiermark 12,6 Prozent der 15-jährigen SchülerInnen und 14,9 Prozent der Erwachsenen täglich rauchen? Während bei den Erwachsenen mehr Männer rauchen, rauchen bei den Jugendlichen bereits mehr Mädchen. Weltweit sind rund 80 Prozent aller Rauchenden männlich, aber insbesondere in Industrieländern holen die Mädchen und Frauen auf. Wie die Statistik zeigt, ist auch österreichweit der Anteil der rauchenden Männer rückläufig und jener der rauchenden Frauen zunehmend.

Quellen:
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2008): Nikotin. Pharmakologische Wirkung und Entstehung der Abhängigkeit. Fakten zum Rauchen. Heidelberg.
  • K, Posch W (2011): Tabakpräventionsstrategie Steiermark. Grundlagen, Ziele und Maßnahmen 2007 bis 2010. Graz (VIVID).
  • et al. (2006): Milestones in the natural course of onset of cigarette use among adolescents. CMAJ.175(3)/2006 (255-61).
  • MA,  Feyerabend C (1978): Cigarette smoking. A dependence on high-nicotine boli. Drug Metab Rev 8(1)/1978 (29-57).
  • Austria (2007): Gesundheitsbefragung 2006/07.  Mikrozensus-Sonderprogramm "Rauchgewohnheiten der österreichischen Bevölkerung" 1972, 1979, 1986 und 1997.

12. Was passiert beim Entzug?

Wie stark die Entzugssymptome beim Aufhören sind, ist individuell verschieden: Manche Menschen haben gar keine, andere leiden sehr darunter. Obwohl jemand, der viel geraucht hat, wenig Entzugssymptome haben kann und umgekehrt, gilt: Die Dosis macht das Gift. Wer mehr raucht und schon längere Zeit raucht, hat sich und seinen Körper mehr an Tabak gewöhnt.

Bekommt eine Raucherin bzw. ein Raucher längere Zeit kein Nikotin, verlangen die Nikotinrezeptoren im Gehirn nach Sättigung. Dies kann vorübergehend zu Entzugssymptomen wie Reizbarkeit, innerer Unruhe, Angst, schlechter Stimmung, Konzentrationsproblemen, verstärktem Hunger und Appetit, Verstopfung und Verlangen nach Tabak führen.

Die körperlichen Entzugssymptome sind meistens zwei Tage nach der letzten Zigarette am stärksten, weil die Nikotindepots leer sind. Danach werden sie allmählich schwächer. Die meisten ehemaligen Rauchenden berichten, dass die körperlichen Entzugssymptome nach zwei bis drei Wochen deutlich nachgelassen haben oder ganz verschwunden sind. Länger dauert in vielen Fällen die Umstellung des Verhaltens auf ein rauchfreies Leben. Je mehr Alltagssituationen mit dem Rauchen verknüpft sind – etwa Kaffeetrinken, Weggehen am Abend, Rauchpausen am Arbeitsplatz, rauchende Partnerin bzw. rauchender Partner – desto größer ist die Umstellung. In qualitätsvollen Entwöhn-Seminaren wird sowohl die körperliche als auch die psychische Abhängigkeit berücksichtigt.

Wussten Sie, dass ...

... Nikotinkonsum als eigenständige Abhängigkeitserkrankung anerkannt wird? Beim Rauchen gibt es körperliche, psychische und soziale Abhängigkeit. Körperliche Abhängigkeit zeigt sich durch Entzugserscheinungen und die Rauchgewohnheiten. Unter psychischer und sozialer Abhängigkeit versteht man Rituale, die man sich beim Rauchen angewöhnt hat: die Zigarettenpause oder die Zigarette nach dem Essen verstärken etwa den Belohnungseffekt. Sie lassen die Zigarette auch immer mehr zu einem Teil der eigenen Persönlichkeit werden.

Quellen:

  • Batra A, Schütz CG, Lindinger P: Tabakabhängigkeit. In: Schmidt LG, Gastpar M, Falkai P, Gaebel W (Hrsg.) (2006): Evidenzbasierte Suchtmedizin. Behandlungsleitlinie Substanzbezogene Störungen. Köln (Deutscher Ärzte Verlag).
  • Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2008): Nikotin. Pharmakologische Wirkung und Entstehung der Abhängigkeit. Fakten zum Rauchen. Heidelberg.
  • H, Monbour W, Schmidt MH (Hrsg.) (1991): Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD 10. Kapitel V (F). Göttingen (Huber).

13. Wo finden Eltern und Jugendliche Unterstützung?

Tabakprävention

Unterstützung bei der Tabakentwöhnung

Links

www.vivid.at – Fachstelle für Suchtprävention

www.rauchfrei.at – Rauchfrei Telefon

www.feel-ok.at – Gesundheitsförderung von Jugendlichen

www.endlich-aufatmen.at – Interaktives Entwöhnprogramm

www.justbesmokefree.de – Rauchstopp für Jugendliche und junge Erwachsene

www.tabakkontrolle.de – Deutsches Krebsforschungszentrum

www.who.int – Weltgesundheitsorganisation WHO, Gesundheitsthema Tabak

www.rauch-frei.info – Deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

www.at-schweiz.ch – Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz