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Rauchverbote in der Gastronomie

Aufgrund der Tabakgesetznovelle 2008 gilt seit 1. Jänner 2009 in gastronomischen Betrieben jeglicher Art ein Rauchverbot mit Ausnahmen. Das österreichische Tabakgesetz orientiert sich dabei am spanischen Modell. Gastronomischen Betrieben mit mehr als einem Gastraum ist es erlaubt, einen oder mehrere dieser Räume als Raucherzimmer auszuweisen, solange mindestens die Hälfte der zur Verabreichung von Speisen und Getränken vorgesehenen Plätze den Nichtraucherbereich darstellt.

Der Tabakrauch darf nicht vom Raucherzimmer in den Nichtraucherbereich gelangen, was voraussetzt, dass der Raucherraum ein vollständig abgetrennter Raum ist. Bei Lokalen, die aus nur einem Gastraum bestehen, gelten gesonderte Regelungen.

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Ist der Gastraum kleiner als 50 m2, kann der/die InhaberIn selbst entscheiden, ob das gesamte Lokal ein Nichtraucher- oder ein Raucherlokal wird.

Dieselbe Regelung gilt für Einraumbetriebe zwischen 50 und 80 m2, bei denen eine räumliche Trennung zur Schaffung eines gesonderten Raucherzimmers aufgrund baulicher, feuerpolizeilicher oder denkmalschutzrechtlicher Bedenken nicht möglich ist.

Grundsätzlich gilt das Rauchverbot für gastronomische Betriebe die größer als 80 m2 sind und für Betriebe zwischen 50 und 80 m2, wo laut Behörde eine Trennung des Raums zumutbar ist. Hier kann durch eine Teilung des Gastraums ein Raucherzimmer geschaffen werden.

Sanktionen bei Missachtung des Rauchverbots
Routinemäßige Kontrollen zur Einhaltung der Nichtraucherschutzbestimmungen sind im Tabakgesetz nicht vorgesehen. Allerdings können Privatpersonen Anzeige erstatten. Als Sanktionen sind Geldstrafen bis zu 2.000 Euro und im Wiederholungsfall bis zu 10.000 Euro vorgesehen. Für Gäste, die trotz eines Rauchverbotes rauchen, gilt eine Geldstrafe bis zu 100 Euro und im Wiederholungsfall bis zu 1.000 Euro (§ 14 Abs. 4).


Zustimmung zur rauchfreien Gastronomie in der Bevölkerung

Grundsätzlich steigt die Zustimmung der Bevölkerung nach Einführung von Rauchverboten, wie internationale Erfahrungen zeigen. In Irland beispielsweise befürworteten vor der Einführung von Rauchverboten in der Gastronomie nur 46 Prozent der Bevölkerung rauchfreie Restaurants. Ein Jahr nach Einführung der Rauchverbote stieg die Zustimmung auf 77 Prozent. Ähnliches zeigte sich in den USA, hier stieg die Zustimmung  von 43 auf 63 Prozent. Auch in Italien erhöhte sich die Zustimmung nach Einführung des Rauchverbots von vormals 83 auf 90 Prozent.

In der Steiermark befürworten 72,5 Prozent der Bevölkerung rauchfreie Speiselokale. Auch in den Sparten Cafés (58,4 Prozent), Bars (45,1 Prozent) und Diskotheken (50,3 Prozent) ist die generelle Zustimmung hoch. Eine eindeutige Zustimmung ist vor allem unter den NichtrauerInnen zu verzeichnen. Die steirischen RaucherInnen stimmen einem Rauchverbot weniger häufig zu, wobei dennoch jede/r RaucherIn für rauchfreie Speiselokale stimmte.


Wirkungen
des Rauchverbots in der Gastronomie
Eine rauchfreie Gastronomie wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Gäste und des gastronomischen Personals aus. Beschäftigte in Raucherlokalen sind einer deutlich höheren Passivrauchbelastung ausgesetzt als Beschäftigte, die in einer rauchfreien Umgebung arbeiten. Typische Probleme sind Husten, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Schwellungen der Schleimhäute, Schwindelanfälle, Müdigkeit, etc.

Gegner des Rauchverbots argumentieren immer wieder, dass ein Rauchverbot zu Umsatzeinbrüchen in der Gastronomie führe. Dabei beziehen sie sich meist auf Ergebnisse von Meinungsumfragen unter Gastwirtinnen und Gastwirten oder anekdotische Berichte. Als einzige seriöse Quelle dienen allerdings die Umsatz- und Beschäftigtenstatistik.
Erfahrungen aus anderen europäischen Staaten zeigen, dass nach der Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie es zu kurzzeitigen Umsatzrückgängen in der sogenannten „getränkegeprägten“ Gastronomie gekommen war. Allerdings stabilisierte sich der Umsatz langfristig. Langfristig bewirkt ein Rauchverbot daher keine Umsatzeinbußen in der Gastronomie.

Norwegen: Rauchverbot senkt Gastronomie-Umsätze nicht

Hohe Umsatzeinbußen, massiver Stellenabbau - so lauteten die Warnungen aus der Gastronomie vor Rauchverboten. Systematische Untersuchungen in Ländern, die längst ein Rauchverbot haben, zeigen: Die befürchteten negativen Effekte sind nirgendwo eingetreten.

2004 wurde in Norwegen ein Rauchverbot in der Gastronomie eingeführt, eine aktuelle Studie nimmt nun die Auswirkungen unter die Lupe: Über einen Zeitraum von drei Jahren werteten die beiden Forscher Hans Olav Melberg und Karl Lund (Uni Oslo) im Zweimonatsrhythmus die Einnahmedaten gastronomischer Betriebe aus. Im Jahr nach Einführung der Rauchverbote nahmen die Einnahmen in Restaurants - preisbereinigt - um 2,5 Prozent zu, verglichen mit den Einnahmen im Jahr vor den Rauchverboten. Ähnliches gilt auch für Kneipen und Bars: Im Jahr nach Inkrafttreten der Rauchverbote lagen die Einnahmen 1,2 Prozent höher als im Jahr davor.

Auch langfristig betrachtet, so die norwegische Studie, gab es keinen Einnahmerückgang in Kneipen oder Restaurants durch das generelle Rauchverbot. Dies sei besonders für ein Land wie Norwegen bemerkenswert, da zuvor von Lobbyverbänden postuliert wurde, wegen der kalten Temperaturen würde sich kein Raucher vor die Tür einer Kneipe stellen, sondern lieber zuhause bleiben. Und dadurch würden letztlich die Einnahmen sinken. Auch dies hat sich im Nachhinein als falsch erwiesen.

Quelle: Melberg HO, Lund KE (2010): Do smoke free lows effekt revenues in pubs and restaurant? Eur J Health Econ, 22 Nov 2010.


 

Mehr: Factsheet "Nichtraucherschutz in der Gastronomie" (PDF)

Quellen
www.ris.bka.gv.at
Wirtschaftskammer Österreich Fachverband Gastronomie 2012
Bundesministerium für Gesundheit 2010
Fernandez/Posch 2011: VIVID-Bevölkerungsbefragung 2009

 

Rauchverbot in der Gastronomie senkt Rauchen daheim

Ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie führt dazu, dass auch zuhause in den eigenen vier Wänden weniger geraucht wird. Dieses bereits bekannte Ergebnis bestätigt eine aktuelle Studie, die 18.056 Menschen in 18 europäischen Ländern befragte und ihr Rauchverhalten mit den jeweils nationalen Gesetzgebungen - etwa der Tobacco Control Scale - verglich.  

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine Studie aus dem US-Staat Kentucky:  In einem Bezirk, in dem ein Rauchverbot an öffentlichen Orten einschließlich Gastronomie eingeführt wurde, sank der Raucheranteil in der Bevölkerung von 25,7 Prozent vor dem Rauchverbot auf 17,5 Prozent nach dem Rauchverbot. In Vergleichsregionen ohne Rauchverbot änderte sich die Rauchprävalenz nicht.

Eine aktuelle indische Studie ergab darüber hinaus, dass die Wahrscheinlichkeit für ein rauchfreies Zuhause mit rauchfreien Arbeitsplätzen signifikant steigt.

 

Rauchverbot hin oder her: Es schließen immer gleich viele Lokale

Die Befürchtung, ein absolutes Rauchverbot habe negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage von Gastronomiebetrieben, wird von der Tabakindustrie und ihren Frontgruppen häufig kommuniziert. Eine aktuelle Studie aus Spanien widerlegt dies: Die Einführung eines absoluten Rauchverbots in der Gastronomie hat keinen Einfluss auf die Anzahl gastronomischer Betriebe. Verglichen wurden die Jahre 2006 bis 2014. Fazit: In jedem Jahr sperrten Gastronomiebetriebe auf und öffneten andere. Das Rauchverbot veränderte dies nicht. 2011 wurde in Spanien ein absolutes Rauchverbot eingeführt.