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Rauchverbot in der Gastronomie

Tabak ist ein legal erhältliches Produkt und bedarf dennoch besonders vieler Regelungen, da es ein extrem hohes Schädigungspotenzial hat. Konsum in geschlossenen Räumen führt zum Ausstoß von Passivrauch, also jenem Teil des Rauchs, der als Nebenprodukt der Erhitzung entsteht. Passivrauch ist auch für Rauchende schädlich. Passivrauch ist sehr schädlich. Daher gilt es, in der Gastronomie Passivrauch in geschlossenen Räumen zu vermeiden.

Aus Sicht der Suchtprävention ist das Rauchverbot eine wichtige Maßnahme. Es hilft, Rauchfreiheit zur Norm zu machen und trägt dadurch dazu bei, dass mittelfristig weniger Menschen mit dem Rauchen beginnen. Es schützt nichtrauchende Gäste und Bedienstete vor dem gefährlichen Passivrauch. Rauchenden erleichtert es das Weniger-Rauchen oder Aufhören. Ein Rauchverbot in der Gastronomie ist aber auch für die Gesundheit von Rauchenden besser, da auch sie dadurch weniger gefährlichen Passivrauch einatmen. Aus Sicht der Suchtprävention sprechen zehn Argumente für das Rauchverbot in der Gastronomie.

Viele Länder verbieten aus diesen Gründen das Rauchen in den Innenräumen von Restaurants, Cafés, Bars und anderen Lokalen: Als erstes europäisches Land setzte Irland im Jahr 2004 das absolute Rauchverbot in der Gastronomie um, also Rauchfreiheit in Innenräumen ohne Ausnahmen. Es folgten weitere Länder, etwa Norwegen 2004, England und Schweden 2005, Island 2007, Niederlande und Frankreich 2008, Bayern 2010, Spanien 2011, Ungarn 2012 Nordrhein-Westfalen 2013 und Tschechien 2017.

In Österreich gilt seit 1.11.2019 ein Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahmen. Alle Innenräume aller Lokale sind rauchfrei. Nähere Informationen können im Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. -nichtraucherschutzgesetz (TNRSG) nachgelesen werden. Freiflächen der Gastronomie sind vom Rauchverbot nicht betroffen.

Davor konnte die Gastronomie zahlreiche Ausnahmen vom Rauchverbot machen. Dieses Rauchverbot mit Ausnahmen ("Spanisches Modell") galt von 1.1.2009 bis 1.11.2019. Die "schwere Geburt" des Rauchverbots können Sie hier nachlesen.

Zum Weiterlesen: Zehn Argumente für rauchfreie Gastronomie, Rauchverbot darf nicht der Sündenbock werden, Rauchende für Rauchverbot, Gesetz Rauchverbot in der Gastronomie, Passivrauch


Klage von "Nachtgastronomen" blitzte vor dem Verfassungsgericht ab

Am 1. November 2019 tritt das Rauchverbot in allen Innenräumen der Gastronomie in Kraft. Diese gesetzliche Regelung greift nicht in die rechtlich geschützten Interessen der Wirte ein, entschied der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH). Der rechtspolitische Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers werde nicht überschritten. Betreiber der selbst ernannten "Nachtgastronomie" - also von Bars und Diskotheken - hatten geklagt. Eines ihrer Hauptargumente war der Schutz von Anrainern vor Lärm. Für Anrainer gibt es ohnehin gewerberechtliche und zivilrechtliche Regelungen, so der VfGH. Der Gesundheitsschutz, insbesondere auch jener der Arbeitnehmer, dürfe höher bewertet werden als die Interessen der Betreiber von Gastronomiebetrieben.

 

Gesundheitsfolgenabschätzung: Rauchfreie Gastronomie könnte 32.370 Krankenhaus-Aufenthalte pro Jahr verhindern

Sind in einem Land alle Innenräume der Gastronomie ausnahmslos rauchfrei, so verbessert dies die Gesundheit der Bevölkerung. Diese bekannte Tatsache wurde nun durch die wissenschaftliche Methode „Gesundheitsfolgenabschätzung“ für Österreich berechnet: Pro Jahr könnte rauchfreie Gastronomie in Österreich 32.370 Aufenthalte in Krankenhäusern verhindern, davon 1.797 von Kindern.

Das entspricht pro Woche 623 vermeidbare Krankenhausaufnahmen. So könnten pro Woche rauchfreier Gastronomie 52 Herzinfarkte und 82 Schlaganfälle verhindert werden. Die „Gesundheitsfolgenabschätzung Rauchfreie Gastronomie“ wurde von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention und dem „GFA-Team Steiermark“ erstellt. Sie wurde auch in einer Parlamentarischen Anfrage als Referenz zitiert.

Gesundheitsfolgenabschätzung Rauchfreie Gastronomie (VIVID 2018) (PDF)

 

Zehn Jahre rauchfreie Gastronomie in England

Seit Juli 2007 hat England ein absolutes Rauchverbot am Arbeitsplatz (und damit in der Gastronomie). Seither sank der Anteil der rauchenden Erwachsenen von 21 Prozent auf 15,5 Prozent. Ergänzt wurde das Rauchverbot durch Jugendschutz vor Tabak bis 18 Jahre, ein Präsentationsverbot von Tabakwaren und die Einführung standardisierter Verpackungen. Bei jeder einzelnen Maßnahme stieg die Zustimmung in der Bevölkerung nach ihrer Einführung. So waren 2007, vor Einführung des Gastro-Rauchverbots, 78 Prozent dafür. 2017 waren es 83 Prozent. Bericht: Smokefree: the first 10 years (PDF)

 

Rauchverbot in der Gastronomie senkt Rauchen daheim

Ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie führt dazu, dass auch zuhause in den eigenen vier Wänden weniger geraucht wird. Dieses bereits bekannte Ergebnis bestätigt eine aktuelle Studie, die 18.056 Menschen in 18 europäischen Ländern befragte und ihr Rauchverhalten mit den jeweils nationalen Gesetzgebungen - etwa der Tobacco Control Scale - verglich. Auch eine indische Studie ergab , dass die Wahrscheinlichkeit für ein rauchfreies Zuhause mit rauchfreien Arbeitsplätzen signifikant steigt.

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine Studie aus Kentucky (USA):  In einem Bezirk, in dem ein Rauchverbot an öffentlichen Orten einschließlich Gastronomie eingeführt wurde, sank der Raucheranteil in der Bevölkerung von 25,7 Prozent vor dem Rauchverbot auf 17,5 Prozent nach dem Rauchverbot. In Vergleichsregionen ohne Rauchverbot änderte sich die Rauchprävalenz nicht.

Auch eine Studie aus Spanien bestätigt, dass ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie rauchfreie Zuhause fördert: Vor Einführung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie hatten 55,6 Prozent der Haushalte freiwillige Regeln für Rauchfreiheit, danach 72,6 Prozent. Generell hatten durch das Rauchverbot in der Gastronomie in Haushalten Regeln bezüglich des Rauchens zugenommen, und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen und Kindern im Haushalt. Der Effekt war bei Nichtrauchenden am stärksten. Spanien hatte bis 2010 dasselbe teilweise Rauchverbot in der Gastronomie, wie es Österreich noch bis Mai 2018 hat.

Auch in Frankreich, Schottland, Irland, Kanada und Australien wurden mit dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie Raucher-Haushalten seltener.

 

Hohe Zustimmung zur rauchfreien Gastronomie in der Bevölkerung

Die Zustimmung der Bevölkerung steigt nach Einführung des absoluten Rauchverbotes in der Gastronomie. Das zeigen internationale Erfahrungen: In Irland befürworteten vor der Einführung des Rauchverbots nur 46 Prozent der Bevölkerung rauchfreie Restaurants. Ein Jahr danach waren es 77 Prozent. Ähnliches zeigte sich in den USA, hier stieg die Zustimmung von 43 auf 63 Prozent. Auch in Italien erhöhte sich die Zustimmung von vormals 83 auf 90 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich für Deutschland nachweisen: Je mehr Bundeländer rauchfreie Gastronomie umgesetzt hatten, desto höher war die Zustimmung der Bevölkerung.

 

Rauchverbot: Kein Einfluss auf Anzahl der Lokale und Gastro-Beschäftigten

Die Befürchtung, ein absolutes Rauchverbot habe negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage von Gastronomiebetrieben, wird von der Tabakindustrie und ihren Frontgruppen häufig kommuniziert. Eine Studie aus Spanien widerlegt dies: Die Einführung eines absoluten Rauchverbots in der Gastronomie hat keinen Einfluss auf die Anzahl gastronomischer Betriebe. Verglichen wurden die Jahre 2006 bis 2014. Fazit: In jedem Jahr sperrten Gastronomiebetriebe auf und öffneten andere. Das Rauchverbot veränderte dies nicht. 2011 wurde in Spanien ein absolutes Rauchverbot eingeführt. Auch im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen änderte die Einführung der rauchfreien Gastronomie nichts an der Anzahl der Lokale, analysiert das Deutsche Krebsforschungszentrum.

 

Belgien: Weniger Frühgeburten durch Rauchverbot

Seit der Einführung des öffentlichen Rauchverbots in Belgien verringerte sich die Zahl  der Frühgeburten deutlich. Das zeigte eine Studie auf. Das Rauchverbot wurde zunächst am Arbeitsplatz, danach in Restaurants und schlussendlich in Bars umgesetzt. Mit jeder Verbotsstufe, die in Kraft getreten ist, gingen die Frühgeburten weiter zurück. Dies belegt eine aktuelle Studie der Universität Hasselt. Schon bisher war bekannt, dass Babys von rauchenden oder passivrauchenden Schwangeren bei der Geburt leichter sind als jene von Nichtraucherinnen.

 

Asthma-Rückgang nach Rauchverbot in England

Seit Juli 2007 ist in England das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen, der Gastronomie und am Arbeitsplatz verboten. Innerhalb der ersten drei Jahre gingen die Krankenhausaufenthalte von Kindern wegen Asthmabeschwerden um rund neun Prozent zurück. Dies berechneten ForscherInnen der School of Public Health in London. Laut den StudienautorInnen kam es zu diesem Ergebnis, weil in Folge des Rauchverbots auch zuhause weniger geraucht wurde. Das schützt Kinder vor Passivrauch.

 

NRW bekam generelles Rauchverbot

Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland, bekam im Mai 2013 ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Der Düsseldorfer Landtag hob Ausnahmen für Raucherkneipen und Raucherclubs, Festzelte und Brauchtumsveranstaltungen auf. Die Einrichtung von Raucherräumen ist nicht mehr möglich. Allerdings darf in Gaststätten bei privaten Feiern in geschlossener Gesellschaft und abgetrenntem Raum geraucht werden.



Schweiz stimmte gegen generelles Rauchverbot

Mit Zweidrittelmehrheit entschieden sich 2012 die Schweizerinnen und Schweizer in einer Volksabstimmung gegen ein generelles Rauchverbot. Dadurch bleiben Raucherräume in der Gastronomie, in Büros und sonstigen Arbeitsplätzen erlaubt. Die landesweite Initiative "Schutz gegen Passivrauchen" um ein landesweites Rauchverbot in öffentlichen Innenräumen. Ähnlich der in Österreich bis 2019 gültigen Regelung, erlaubt das Schweizer Gesetz im Nichtraucherschutz weiterhin zahlreiche Ausnahmen. Ein Kommentar in Der Standard beschreibt den diesbezüglichen "Sieg der Inkonsequenz"