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Schwangerschaft und Kinder

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens und Passivrauchens sind bei schwangeren Frauen besonders drastisch. Rauchen Frauen während der Schwangerschaft, schädigen sie damit nicht nur ihr ungeborenes Kind, sondern auch die Enkelgeneration. Beispielsweise wird die Neigung zu Asthma über das Erbgut weitergegeben (vgl. Rehan 2012).

Schwangere Frauen, die beispielsweise als Angestelle in der Gastronomie dem Tabakrauch täglich mindestens sieben Stunden ausgesetzt sind, weisen eine signifikant erhöhte Rate von Frühgeburten auf. Rauchverbote können hier Schutz bieten, wie in Belgien beobachtbar war. Seit der Einführung des öffentlichen Rauchverbots in Belgien verringerte sich die Zahl der Frühgeburten deutlich. Das Rauchverbot wurde zunächst am Arbeitsplatz, danach in Restaurants und schlussendlich in Bars umgesetzt. Mit jeder Verbotsstufe, die in Kraft getreten ist, gingen die Frühgeburten weiter zurück (vgl. Cox 2013). Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Fehlgeburten, verdreifacht die Gefahr von Totgeburten und steigert die Säuglings-Sterblichkeitsrate während der Geburt.

Zudem sind Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft geraucht haben, bei der Geburt um bis zu 200 Gramm leichter als Kinder nichtrauchender Mütter. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht bei Kindern die Wahrscheinlichkeit an Leukämie zu erkranken.


Aufhören lohnt sich
Dem ungeborenen Kind bietet nur ein völliger Rauchstopp wirksamen Schutz vor den gesundheitlichen Folgen des Tabakrauchs. Denn raucht man bloß weniger Zigaretten, so führt dies häufig dazu, dass tiefer inhaliert wird. Die Menge der Schadstoffe bleibt ähnlich. Mit dem Rauchen aufzuhören ist in jeder Phase der Schwangerschaft sinnvoll, jedoch gilt auch hier: Je früher, desto besser! Mit anderen Worten: Es ist nie zu spät zum Aufhören, aber auch nie zu früh.

Ein Kind zu erwarten, ist eine gute Gelegenheit, mit dem Rauchen aufzuhören. Wichtig ist dabei eine gute Vorbereitung. Für schwangere Frauen kann professionelle Unterstützung beim Aufhören sehr hilfreich sein. Bei professionellen Entwöhnmethoden findet auch der Umgang mit eventuellen Entzugsbeschwerden Berücksichtigung.

Schwangere RaucherInnen erhalten im Rahmen der Tabakpräventionsstrategie Steiermark Unterstützung bei der STGKK-RaucherInnen-Helpline (0316/8035-1919). Auch das Rauchertelefon bietet spezielle Entwöhnung für schwangere Frauen an.

Rauchen während der Stillzeit
Rauchen Mütter während der Stillzeit, nimmt der Säugling über die Muttermilch gesundheitsschädliche Substanzen auf. Starker Tabakkonsum kann beim Kind zu Unruhe, Koliken, Erbrechen, reduzierter Gewichtszunahme und verringertem Saugvermögen führen.

Passivrauchen im Kindesalter
Säuglinge und Kinder sind von Passivrauchen noch stärker betroffen als Erwachsene. Im Vergleich zu Erwachsenen weisen passivrauchende Kinder zweimal höhere Werte an Cotinin auf. Cotinin ist ein Abbauprodukt von Nikotin, das im Harn nachgewiesen werden kann. Kinder reagieren sehr empfindlich auf die Belastungen durch Tabakrauch. Ihr Körper, der sich noch in Entwicklung befindet baut die eingeatmeten Giftstoffe schlechter ab.

In verrauchten Innenräumen klagen Kinder häufig über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Husten, Bauchweh, Konzentrations- und Schlafstörungen. Mitrauchende Kinder erkranken zudem häufiger an gefährlichen und schweren Krankheiten wie Asthma und anderen chronischen Atemwegserkrankungen, Lungenentzündungen und Bronchitis. Das Herz-Kreislaufsystem wird insofern angegriffen, als es zu einer Schädigung der Arterien kommt und die körperliche Leistungsfähigkeit passivrauchender Kinder vermindert wird.

Seit Juli 2007 ist in England das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen, der Gastronomie und am Arbeitsplatz verboten. Innerhalb der ersten drei Jahre gingen die Krankenhausaufenthalte von Kindern wegen Asthmabeschwerden um rund neun Prozent zurück.Laut einer Studie kam es zu diesem Ergebnis, weil in Folge des Rauchverbots auch zuhause weniger geraucht wurde (vgl. Millett 2012).

Erhöhter Blutdruck

Kinder, in deren Gegenwart geraucht wird, weisen laut einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck auf.

Für die Studie des Uniklinikums und des Gesundheitsamtes Rhein-Neckar wurden mehr als 4.000 Fünf- bis Sechsjährige in Heidelberg und Umgebung untersucht. Kinder, die zu Hause den Zigarettenrauch ihrer Eltern einatmen, hatten der Studie zufolge ein um 21 Prozent höheres Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken.



Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Ihr Kind raucht mit, Köln 2007.
Cox et al.: Impact of a stepwise introduction of smoke-free legislation on the rate of preterm births: analysis of routinely collected birth data. BMJ 2013;346:f441, 2013.

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchende Kinder in Deutschland – Frühe Schädigungen für ein ganzes Leben. Heidelberg, 2003.

Millett et al.: Hospital Admissions for Childhood Asthma After Smoke-Free Legislation in England. 10.1542/peds.2012-2592, 2012.
Rehan et al.: Perinatal nicotine exposure induces asthma in second generation offspring. BMC Medicine 2012, 10:129, 2012.
Simonetti GD, Schwertz R, Klett M, Hoffmann GF, Schaefer F, Wühl E (2011), Determinants of Blood Pressure in Preschool Children. The Role of Parental Smoking. Circulation, American Heart Association Inc. (Jan 2011).