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Tabak und Geld

Mit dem Rauchen sind sowohl für RaucherInnen selbst als auch für die Volkswirtschaft enorme Kosten verbunden.

Persönliche Kosten

Im Durchschnitt rauchen die täglich Rauchenden in Österreich 15,6 Zigaretten pro Tag. Das ergab die Gesundheitsbefragung 2014 der Statistik Austria. Bei einem Packungspreis von 5 Euro (für 20 Zigaretten) gibt er für das Rauchen 1.423 Euro pro Jahr aus. Auf zehn Jahre gerechnet verraucht der durchschnittliche österreichische täglich Rauchende damit 14.235 Euro. Wer täglich eine Packung Zigaretten raucht, gibt pro Jahr rund 1.825 Euro aus.

Auch auf die gesamte Bevölkerung gerechnet, ist Rauchen teuer: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt im Jahr 2020 bei 1.295,4 Stück Zigaretten pro Person. Eingerechnet sind hier alle Menschen, egal ob sie rauchen oder nicht. Andere Produkte außer Zigaretten kommen noch dazu. Bei 8,9 Millionen Einwohnern werden in Österreich demnach gut 11,5 Milliarden Stück Zigaretten verkauft. Durchschnittlich kostete im Jahr 2020 eine Zigarette 0,2 Cent. Die hohen Kosten können ein guter Grund sein, mit dem Rauchen aufzuhören.

Zigaretten sind in Österreich billig

Dabei ist Rauchen im Vergleich zu anderen Ländern in Österreich billig. Nimmt man den EU-Durchschnitt bei den Tabakpreisen mit dem Wert 100 an, liegt Österreich mit 84 um 16 Prozent darunter, ergaben Eurostat-Daten. Deutschland hat immerhin 5 Prozent höhere Preise für Tabak als Österreich.

Eine andere Statistik von Eurostat ("Consumer Price Levels 2017") verglich Konsumpreise verschiedenster Waren innerhalb der EU-Staaten miteinander, von Kleidung über Autos, Lebensmittel, Elektronik bis zu Restaurants und Hotels. Bei einem angenommenen Durchschnitt von 100 lag Österreich für die Gesamtheit der Waren bei 108, also 8 Prozent über dem EU-Schnitt. Aber für Tabak lag Österreich bei 93, also 7 Prozent unter dem EU-Schnitt.

Im Jahr 2006 kosteten Tabakwaren in Österreich noch 98 Prozent des EU-Schnitts. Während sie in anderen Ländern seither also deutlich teurer wurden, stiegen die Preise in Österreich deutlich weniger.

Umsatz der Tabakindustrie

Der Umsatz mit Zigaretten beträgt in Österreich laut Statista 2020 etwa 2.941 Millionen Euro. Laut Prognose wird im Jahr 2023 mit Zigaretten ein Umsatz von 2.968 Millionen Euro erreicht. Das kommt einem jährlichen Umsatzwachstum von 1,1 Prozent gleich.

Wenn man diese Zahl auf die Bevölkerung umrechnet, gibt jeder Mensch in Österreich 318,30 Euro pro Jahr für Zigaretten aus. Eingerechnet ist hier jeder Mensch, egal ob er raucht oder nicht. Berücksichtigt sind in dieser Berechnung nur Zigaretten, andere Tabakprodukte sind nicht enthalten. Rund 90 Prozent des Umsatzes werden mit Zigaretten gemacht.

Über andere Umsätze und Gewinne der Tabakindustrie sind öffentlich keine Daten bekannt.

Volkswirtschaftliche Kosten

Rauchen und Passivrauchen verursachen hohe Kostenfür die Volkswirtschaft. Die Unterteilung der Kosten erfolgt in direkte medizinische Kosten wie Behandlung oder Pflege und indirekte medizinische Kosten wie Transportkosten, Krankengeld oder Invaliditätspension. Der besonders häufig durch das Rauchen hervorgerufene Lungenkrebs verursacht die höchsten Kosten. Zusätzlich entstehen Kosten durch den Produktivitätsverlust wie Krankenstände oder verminderte Erwerbsfähigkeit, die als indirekte oder ökonomische Kosten bezeichnet werden.

Diesen Kosten stehen die Einnahmen der Tabaksteuer und die Einsparungen von Alterspensionsbezügen aufgrund der geringeren Lebenserwartung von RaucherInnen gegenüber.

Laut Berechnung einer österreichischen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) bringt der Tabakkonsum dem österreichischen Staat einen Nutzen von 1,13 Milliarden Euro jährlich. Im Gegenzug entstehen dadurch jedes Jahr Kosten in Höhe von 1,64 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Differenz von etwa 511 Millionen Euro, wovon können rund 118 Millionen auf Passivrauchen zurückgeführt werden. Somit überwiegen die Kosten, die dem Staat durch den Tabakkonsum entstehen. Mit anderen Worten: Rauchen kostet den Staat viel mehr als es ihm bringt.

 

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Rauchen am Arbeitsplatz kostet 4.000 Euro

Rauchende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen ihr Unternehmen teurer als nichtrauchende. Dies wurde durch eine aktuelle Studie erneut mit Zahlen belegt: Durchschnittlich 5.800 Dollar (4.370 Euro) jährlich kostet jemand, der raucht, sein Unternehmen mehr als jemand, der nicht raucht.  Diese errechnete ein Forschungsteam rund um Micah Berman in der Studie "Estimating the cost of a smoking employee" . Der größte Kostenfaktor sind demnach die Rauchpausen - gefolgt von höheren Krankenkosten, vermehrten Abwesenheitszeiten und verminderter Produktivität.  Das Forschungsteam stellte fest, dass Mitarbeitende pro Rauchpause durchschnittlich 15 Minuten nicht arbeiten.

Mehr: Rauchfrei am Arbeitsplatz. Ein Leitfaden für Betriebe