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Entstehung

Wissenschaftliche Theorien zur Suchtentstehung lassen sich in soziologische, psychologische und biologische Ansätze unterteilen. Da jedes dieser Modelle für sich alleine genommen das Phänomen Sucht nicht ausreichend erklären kann, werden diese Ansätze meist zu multifaktoriellen Konzepten verbunden.

Soziologische Erklärungsansätze

Soziologische Theorien versuchen anhand gesellschaftlicher Einflüsse und Rahmenbedingungen, die Entstehung von Suchtverhalten zu erklären.
Aus soziologischer Sicht können beispielsweise Werte, wie Leistung und Wettbewerb, die unsere Gesellschaft prägen unter bestimmten Bedingungen besondere Risiken für Menschen darstellen, süchtiges Verhalten zu entwickeln. So können Menschen, die massiven Leistungsanforderungen in Schule oder Beruf ausgesetzt sind, diesem mit dem Konsum von Substanzen begegnen.
Schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und damit verbundene mangelnde Zukunftsperspektiven und Zukunftsängste im Arbeits- und Ausbildungsbereich können ebenfalls als Erklärung für die Entstehung von Suchtproblemen herangezogen werden.
Auch bestimmte Erziehungsstile oder familiäre Einflüsse haben einen starken Einfluss auf den späteren Umgang mit Substanzen oder Verhaltensweisen. Hier haben vor allem die Eltern die Chance, ihre Kinder mit entsprechenden Schutzfaktoren auszurüsten und selber ein positives Konsumverhalten vorzuleben.

Psychologische Erklärungsansätze

Psychologische Erklärungsansätze suchen die Ursachen süchtigen Verhaltens beim einzelnen Menschen. Hier einige der wichtigsten psychologischen Theorien:
Nach dem lerntheoretischen Modell gilt Abhängigkeit als erlerntes Verhalten. Suchtentwicklung passiert laut Modell durch Lernen am Erfolg oder durch Lernen am Modell. Ein Beispiel für Lernen am Erfolg ist, wenn eine schüchterne Person durch den Konsum von Alkohol leichter auf andere Menschen zugehen kann und dies als Bereicherung erlebt. Damit kann die Tendenz entstehen, bald wieder zu trinken. Lernen am Modell passiert wenn Kinder ihren Eltern das nachmachen, was sie ihnen vorleben. 
Ein weiterer psychologischer Erklärungsansatz ist das psychoanalytische Modell in welchem die Ursache der Sucht in einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung gesehen wird. Die Psychoanalyse richtet ihren Blick besonders auf die Beziehungsstruktur zwischen Kleinkind und Eltern in der frühen Kindheit. Man geht davon aus, dass ungelöste, unbewusste Konflikte in diesem Beziehungsgefüge das Entstehen von Sucht wesentlich bedingen.
Systemische Theorien gehen davon aus, dass sich Sucht in gemeinsam gelebten Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen entwickelt. Sie stellen die Dynamik und die Beziehung zwischen Familienmitgliedern in den Mittelpunkt. Systemische Modelle befassen sich nicht in erster Linie mit der Entstehungsgeschichte der Sucht, sondern mit der Frage, welche Mechanismen das Suchtverhalten zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufrechterhalten.

Biologische Erklärungsansätze

Biologische Modelle gehen der Frage nach, wie psychoaktive Substanzen Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen können.  Dabei werden bestimmte körperliche Eigentümlichkeiten (wie z. B. Stoffwechselstörungen, Gene, etc.) als die Ursachen der Drogenabhängigkeit und Sucht betrachtet.
Beim neurobiologischen Ansatz geht man davon aus, dass körpereigene opiatähnliche Substanzen (wie z. B. Adrenalin, Dopamin) vorhanden sind, die als innere Belohnungsstoffe funktionieren. Die körpereigenen Substanzen gleichen in ihren Wirkungen psychoaktiven Substanzen und lösen in bestimmten Situationen im Belohnungssystem Euphorie und positive Gefühle aus. Unter natürlichen Bedinungen wird das Belohnungssystem durch Prozesse wie Essen, Sexualität oder Zuneigung aktiviert. Wenn eine psychoaktive Substanz diese hirneigenen Mechanismen aktiviert und ein subjektiv empfundenes Belohnungsgefühl erzeugt, kann dies zu Abhängigkeit führen. 
Der genetische Ansatz beschäftigt sich mit der Frage, ob es eine genetische Disposition bestimmter Menschen für die Entwicklung einer Abhängigkeit gibt.