VIVID – Fachstelle für Suchtprävention

Wir sind die vom Gesundheitsressort des Landes Steiermark und dem Gesundheitsfonds Steiermark beauftragte Fachstelle zur Vorbeugung von Suchtverhalten.

Sie haben Fragen oder möchten ein Projekt mit uns starten?

Ihr Ansprechpartner für Suchtvorbeugung in der Steiermark

Unser Angebot richtet sich an alle, die einen Beitrag zur Suchtprävention leisten wollen und insbesondere an jene, die mit Kindern und Jugendlichen leben und arbeiten: in Familien, Schulen, Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen, Vereinen, Jugendeinrichtungen, in der Jugendqualifizierung und -beschäftigung, in (Gesundheits-)Organisationen, Gemeinden und Vereinen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wir verhindern Sucht, bevor sie entsteht!

Wir informieren altersadäquat, erfahrungsbezogen und sachlich über Substanzen und problematische Verhaltensweisen sowie über Entstehungsbedingungen und Verlauf von Suchtprozessen und die Möglichkeiten der Vorbeugung.

Wir unterstützen Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen, die in den Bereichen Bildung, Betreuung, Familie, Arbeit und Freizeit aktiv sind, bei der Umsetzung von Projekten und langfristigen Maßnahmen zur Suchtvorbeugung.

Wir beraten Entscheidungsträger*innen, Gremien, Organisationen und Medien zu allen Fragen der Suchtvorbeugung.

Wir koordinieren die „Tabakpräventionsstrategie Steiermark“, den „Smoke Free Award“ sowie die steirischen Veranstaltungen der „Dialogwoche Alkohol“ und setzen größtenteils auch selbst um.

Unsere Grundprinzipien, Werthaltungen, Arbeitsansätze und Qualitätsmerkmale

Wir orientieren uns in der Konzeption und Umsetzung unserer Maßnahmen an den folgenden Leitlinien. Sie bilden die fachlichen und ethischen Eckpfeiler unserer Arbeit, welche uns leiten und helfen unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden.

Wir beschäftigen uns mit allen Formen von Sucht.

Lange Zeit wurde das Thema Sucht mit der Abhängigkeit von illegalen Substanzen gleichgesetzt. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Das Schadenspotenzial einer Substanz oder Verhaltensweise für die Bevölkerung ist entscheidend. Deshalb stellen Suchtpolitik und Suchtprävention den Umgang mit legalen und nicht-substanzgebundenen Süchten in den Mittelpunkt.

Wir reduzieren Risiko- und fördern Schutzfaktoren.

Um Sucht vorzubeugen, braucht es Antworten auf zwei Fragen: Welche Faktoren sind für die Entstehung von Suchtverhalten verantwortlich? Wie können diese Faktoren verhindert oder vermindert werden? Das Wissen um Risiko- und Schutzfaktoren einer Zielgruppe stellt dabei eine wichtige Grundlage für die theoriegeleitete und evidenzbasierte Umsetzung von Maßnahmen dar. Die Stärkung von Schutz- und die Reduktion von Risikofaktoren ist ein zentrales Ziel der Suchtprävention.

Wir fokussieren auf die Verhältnisse und das Verhalten von Menschen.

Suchtvorbeugung zeigt Möglichkeiten für die Gestaltung einer suchtpräventiven Umgebung auf. Gleichzeitig unterstützt sie Menschen dabei, Fähigkeiten zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, die vor Sucht schützen. Für eine nachhaltige Wirkung setzt Suchtprävention also auf zwei Ebenen an: Sie beeinflusst Lebensverhältnisse (struktureller Ansatz), und stärkt Kompetenzen von Menschen (individueller Ansatz), um suchtbezogenes Problemverhalten zu verhindern oder zu verringern. Beide Ebenen beeinflussen sich wechselseitig und sind deshalb für eine wirksame Präventionsstrategie notwendig.

Wir setzen in der frühen Kindheit an.

Suchtpräventive Maßnahmen sollten so früh wie möglich beginnen. Viele der wichtigsten Schutz- und Risikofaktoren haben ihren Ursprung in der frühen Kindheit. In dieser Zeit wird die Basis für Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen gelegt. Die positiven Auswirkungen einer gut gelingenden frühen Lebensphase auf das weitere Leben eines Menschen sind in zahlreichen Langzeitstudien belegt.

Wir streben nachhaltige Entwicklungen und Veränderungen an.

Suchtprävention ist darauf ausgerichtet, dass Verhaltensweisen, Aktivitäten und Strukturveränderungen auch nach Projektende fortbestehen. Wie kann dies sichergestellt werden? Suchtpräventive Maßnahmen verfolgen klare, zukünftige Ziele, sind frühzeitig geplant und werden über einen längeren Zeitraum kontinuierlich umgesetzt. Anlassbezogene Einzelaktionen sind zu vermeiden, da sie wenig und nur kurzfristig Wirkung zeigen.

Wir setzen uns für eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik ein.

Suchtprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gemeinsam in Angriff genommen werden kann. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Suchtverhalten der Bevölkerung befinden sich nämlich außerhalb des traditionellen Gesundheitssystems, wie etwa im Bereich der Sozial-, Familien-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- oder Bildungspolitik. Im Sinne einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik ist es deshalb erforderlich, die Anstrengungen in allen Politikfeldern zu bündeln.

Wir stärken Selbstreflexion und Eigenverantwortung.

Zeitgemäße Suchtprävention orientiert sich am partizipativ-emanzipatorischen Menschenbild der WHO. Das bedeutet, dass suchtpräventive Maßnahmen auf der Überzeugung aufbauen, dass die meisten Menschen richtige Entscheidungen treffen, wenn man sie umfassend und ausgewogen informiert und sie darin unterstützt, persönliche Kompetenzen und Ressourcen zu entwickeln. Die Lebenslage von Menschen wird akzeptiert, ihre Autonomie nicht in Frage gestellt und Entscheidungen werden ihnen selbst überlassen.

Wir betonen vorhandene Potenziale.

Suchtprävention möchte nicht die Defizite in der persönlichen Entwicklung aufzeigen, sondern die Ressourcen in den Mittelpunkt stellen. Menschen sollen befähigt werden, ihr Leben selbst zu gestalten, indem sie ihre sozialen und persönlichen Ressourcen entdecken und nutzen.

Wir berücksichtigen die gesellschaftliche Vielfalt.

Gesellschaft bedeutet Vielfalt: Alter, Geschlecht, kulturelle Herkunft, sexuelle Orientierung, usw. Die Anerkennung dieser Vielfalt wirkt suchtpräventiv, weil Menschen sich in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. Diversitätsorientiertes Arbeiten begünstigt das Erreichen der Zielgruppen, schafft bessere Bedingungen für Veränderungsprozesse und unterstützt dadurch Verhaltens- und Einstellungsänderungen.

Wir legen Wert auf gesundheitliche Chancengleichheit.

Der Abbau von sozialer Benachteiligung ist in der Gesundheitsförderung grundsätzlich ein wichtiges Thema. Dabei stehen vor allem Bevölkerungsgruppen im Fokus, die durch einen niedrigen sozioökonomischen Status geringere gesundheitliche Chancen haben. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und dem Risiko, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln.

Wir sehen Suchtprävention als Haltung, nicht einfach als Methode.

Der wichtigste Schutzfaktor für eine positive Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sind stabile, unterstützende und zugewandte Beziehungen. Es ist nicht entscheidend, zu wem eine Beziehung besteht, sondern wie diese gestaltet ist. Eine unterstützende und zugewandte Beziehung zeichnet sich beispielsweise aus durch: ein feinfühliges Eingehen auf die Bedürfnisse, Wertschätzung, Vertrauen und Unterstützung anbieten, Ermutigungen aussprechen und Erfolgsrückmeldungen geben.

Wir entkräften Vorurteile und Tabus zu Sucht.

Sucht ist mit einem gesellschaftlichen Stigma belastet. Sie ist keine Willensschwäche oder moralische Verfehlung. Sucht ist eine Krankheit und als solche zu behandeln. Suchtkranke Menschen und deren Angehörige werden jedoch oft stigmatisiert, diskriminiert und ausgegrenzt. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Wir multiplizieren suchtpräventives Wissen.

Multiplikator*innen sind wichtige Unterstützer*innen suchtpräventiver Arbeit. Sie vervielfachen die Bemühungen der Fachkräfte und tragen dazu bei, dass Inhalte in der breiten Bevölkerung ankommen. Durch ihren engen und oft kontinuierlichen Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können sie eine nachhaltige präventive Wirkung entfalten. Multiplikator*innen sind Personen, die sich (suchtpräventive) Kompetenzen angeeignet haben und diese in ihren Arbeits- und Lebensbereichen einbringen.

Wir fördern Lebenskompetenzen.

Lebenskompetenzprogramme haben sich als die bisher erfolgreichste Strategie der personenbezogenen Suchtprävention herausgestellt. Durch die Minimierung bzw. Förderung von individuellen Risiko- und Schutzfaktoren wirken sie suchtpräventiv. Verbesserte Lebensfertigkeiten tragen dazu bei, Alltagsbelastungen zu meistern und erleichtern die Bearbeitung von Entwicklungsaufgaben. Damit ist es unwahrscheinlicher, dass Menschen zu ihrer Bewältigung auf den Konsum von Substanzen oder Verhaltensweisen zurückgreifen. Die Lebenskompetenzförderung empfiehlt sich dabei als ein Instrument einer umfassenden Präventionsstrategie, in der auch strukturelle Maßnahmen eine Rolle spielen.

Wir regen die Veränderung von Strukturen in unterschiedlichen Settings an.

Die Gestaltung der Strukturen in den Lebens- und Arbeitsbereichen von Menschen wirkt suchtpräventiv. Dieser Gedanke findet sich im Setting-Ansatz wieder, der auf die positive Beeinflussung der Lebenszusammenhänge abzielt. Settings sind unmittelbare Lebenswelten von Menschen, deren Gestaltung suchtpräventiv wirken kann.

Wir fordern von der Politik suchtpräventive Gesetze.

Der Ansatz beim Individuum allein ist nicht ausreichend. Es braucht auch entsprechende Gesetze. Gesetze bilden den Rahmen für individuelle Handlungen und haben einen starken Einfluss auf den Konsum von Menschen. Wie gesetzliche Rahmenbedingungen unser Leben gestalten, ist für die Suchtprävention bedeutsam.

Wir unterstützen unsere Arbeit durch Öffentlichkeitsarbeit.

Wissensvermittlung ist für die Suchtprävention wichtig, weil sie die Grundlage für mündige Entscheidungen bildet. Suchtpräventive Informationen sollen die Reflexion der eigenen Einstellung und gegebenenfalls eine Verhaltensänderung möglich machen. Eine entscheidende Rolle für die Erreichung dieses Ziels kommt dabei der bevölkerungsweiten oder zielgruppenspezifischen Wissensvermittlung über massenkommunikative Medien zu.

Wir koordinieren das Zusammenwirken unterschiedlicher Akteur*innen.

Suchtprävention ist weder in der alleinigen Verantwortung noch allein in der Lage, gesunde Lebensbedingungen und Suchtfreiheit für Menschen herzustellen. Sie liegt in allen Politikbereichen. Die besondere Verantwortung von Mitarbeiter*innen in der Suchtprävention ist die Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Interessen und Bereichen der Gesellschaft sowie deren Vernetzung. Es gilt horizontale und vertikale Kooperationsstrukturen aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Wir setzen auf sachlich ausgewogene Information statt Abschreckung.

Furchtappelle wirken nur kurzfristig, sind abhängig von der Zielgruppe und können kontraproduktive Effekte auslösen. Auf bestimmte Zielgruppen wirken sie neugierverstärkend. Abschreckung, die nur die negativen Aspekte des Suchtmittelkonsums hervorhebt, wird oft als unglaubwürdig beurteilt. Ausgewogene und nachvollziehbare, nüchterne Sachverhaltsdarstellungen und die Vermittlung von notwendigen Handlungskompetenzen sind einseitig negativen Beispielen eindeutig vorzuziehen.

Wir orientieren uns an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die „Österreichische Suchtpräventionsstrategie“ und „Die Neue Steirische Suchtpolitik“ geben die Grundrichtung für die suchtpräventive Arbeit vor. Darauf aufbauend werden aktuelle fachliche Entwicklungen berücksichtigt und interdisziplinäre wissenschaftliche Erkenntnisse in die Konzeptionierung und Ausarbeitung von Maßnahmen einbezogen.

Wir gestalten unsere Maßnahmen zielgruppenorientiert.

Wirksame suchtpräventive Maßnahmen orientieren sich an ihren Zielgruppen in den unterschiedlichen Settings und richten sich in ihren Zielen, Inhalten und Umsetzungs-strategien entsprechend aus. Faktoren der Zielgruppe wie beispielsweise Alter, Geschlecht, Lebensumfeld, Vorwissen, Erfahrungsstand und Bedürfnisse sind zu berücksichtigen.

Wir lernen selbst nie aus.

Qualitätsentwicklung und Evaluation hat seit langem Einzug in die Suchtprävention gehalten. Diese Strategien tragen dazu bei, nachhaltige, langfristige und qualitätsgesicherte Maßnahmen der Suchtprävention umzusetzen. Die Umsetzung geplanter Aktivitäten gelingt nicht automatisch gut, sondern bedarf einer systematischen Planung und Reflexion.

Wir arbeiten multiprofessionell und interdisziplinär.

Mitarbeiter*innen sind eine Schlüsselressource für die Umsetzung von Suchtprävention. Sie müssen über spezifisches Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werte verfügen, die für eine erfolgreiche Suchtpräventionspraxis erforderlich sind. Für qualitätsvolle Suchtprävention benötigt es die Zusammenarbeit der verschiedensten Professionen und eine kontinuierliche, fachspezifische Weiterbildung der Suchtpräventionskräfte.

Hier finden Sie die Vollversion unserer Leitlinien zur Nachlese oder zum Download: Leitlinien suchtpräventiver Arbeit: Grundprinzipien, Werthaltungen, Arbeitsansätze und Qualitätsmerkmale (PDF)