Zur Prävalenz von Essstörungen gibt es in Österreich nur grobe Schätzungen. Gebräuchlich ist eine Anwendung von Ergebnissen deutscher Studien um annäherungsweise Aussagen zur Verbreitung der Essstörungen in Österreich treffen zu können.
Demnach erkranken schätzungsweise 200.000 Österreicherinnen zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung. D. h. etwa jede 15. Frau in Österreich ist betroffen. Von den 15-20jährigen Mädchen - schätzt man - leiden zur Zeit mindestens 2500 an Anorexia nervosa (Magersucht), weitere 5000 sind sehr gefährdet bzw. weisen einzelne Symptome auf. Jedes Jahr erkranken ca. weitere 600 Mädchen
(Factsheet Abhängigkeit und Substanzkonsum, Institut Suchtprävention 2008).
Studien zufolge hat der Anteil von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen in den vergangen Jahren deutlich zugenommen. Dies ist insofern bedenklich, da mit Übergewicht und Adipositas zahlreiche Erkrankungen einhergehen und darüber hinaus davon ausgegangen werden kann, dass in der Kindheit angelegtes Übergewicht in den meisten Fällen auch zu Gewichtsproblemen im Erwachsenenalter führt. Laut einer Befragung unter 11-, 13- und 15jährigen österreichischen SchülerInnen besitzen 12,4% der SchülerInnen einen erhöhten Body Mass Index (Burschen 16,6%, Mädchen 8,3%), wobei 3,1% der SchülerInnen als adipös zu bezeichnen sind (Burschen 7,2%, Mädchen 1,1%) (HBSC 2006, S. 26).
Die diagnostizierten Essstörungen sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Ob dies der tatsächlichen Problementwicklung folgt, ist schwer zu sagen. Der Anstieg kann ebenfalls Ausdruck einer stark angestiegenen Thematisierung der Essstörungen in den Medien und im Gesundheitssystem sein, die sich in den Diagnosen widerspiegelt.
Die Diagnose Essstörung wird beinahe ausschließlich bei Frauen gestellt, obwohl nun auch bei Männern eine Zunahme festzustellen ist. Man schätzt, dass 3 - 10% der Männer von Essstörungen betroffen sind (Reich/Cirpka 1997).