Bibliothek

Neu in unserer Bibliothek
© Hirzel

Cannabis

 

Suchen Sie auch in unserem Online-Katalog

VIVID spezial

© VIVID

Druckansicht

Tabakindustrie

Tabakindustrie und Politik sind in verschiedener Hinsicht eng miteinander verwoben. So setzt die Tabakindustrie etwa gezielt Strategien ein, um strukturelle Maßnahmen gegen das Rauchen (z. B. Rauchverbote, Erhöhung der Tabaksteuer) zu unterwandern, neue RaucherInnen zu gewinnen und bereits Rauchende vom Aufhören abzuhalten.

„Einschüchternde“ Tabakindustrie
Immer wieder tritt die Tabakindustrie als Kläger von Staaten auf, um gegen gesetzliche Regelungen zu protestieren und politische Entscheidungsträger einzuschüchtern. So wurde im Jahr 2011 Australien verklagt: In dem Gesetz zur Standardisierung von Zigarettenpackungen sah die Asien-Zweigstelle von Philipp Morris einen Verstoß eines Investitionsvertrags zwischen Hongkong und Australien und forderte Kompensationszahlungen in Milliardenhöhe. Die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Anhängig ist eine Klage von Philipp Morris gegen Staat Uruguay. Philipp Morris argumentiert, Uruguays Gesetze zur Bekämpfung des Rauchens verstießen gegen ein Investitionsschutzabkommen mit der Schweiz. International wird der Prozess als „David gegen Goliath“ eingeschätzt: Uruguay setzt jährlich deutlich weniger Geld um als der Tabakkonzern.

Tabakindustrie und Forschung
Die Tabakindustrie tritt auch immer wieder als Förderer wissenschaftlicher Forschung auf. So untersuchte US-amerikanische Studie die Beziehungen von Wissenschaft und Tabakindustrie in China. Sie stellte fest, dass die chinesische Tabakindustrie in den vergangenen Jahren ein intensives Netz zu akademischen ForscherInnen aufgebaut hat. Parallel dazu stiegen die Forschungsergebnisse, wonach gesundheitliche Folgen von Rauchen und Passivrauchen harmloser als angenommen wäre.


Quelle: Gan Q, Glantzl SA, Relationship between the Chinese tobacco industry and academic institutions in China. Tob Control 2011;20:12-19 doi:10.1136/tc.2010.036079

Tabakindustrie in Österreich
Seit 2011 werden in Österreich keine Zigaretten mehr produziert. Nach Schwaz, Fürstenfeld und Linz wurde auch die letzte Fabrik in Hainburg geschlossen. Die tobaccoland GmbH beliefert pro Jahr durchschnittlich 12 Milliarden Stück Zigaretten von 160 verschiedenen Zigarettenmarken an rund 7.300 Trafiken in Österreich. Im Jahr 2010 waren in Österreich rund 9.600 Personen im Tabakwaren-Einzelhandel und 280 Personen im Tabakwaren-Großhandel beschäftigt.

Quelle: ACNielsen 2012; tobaccoland 2012; Wiener Zeitung 2012; Statistik Austria 2010

 

Sammelklage gegen Tabakkonzerne
März 2013

Zwei Millionen RaucherInnen bzw. Ex-RaucherInnen, darunter 90.000 Krebs-kranke, prozessieren seit Mitte März 2012 gegen die drei größten kanadischen Tabakkonzerne. Sie fordern umgerechnet rund 21 Milliarden Schadenersatz, wegen der Verharmlosung mit Tabak verbundenen Risiken. Durch Werbung und Marketing würden "falsche Informationen" über Tabak verbreitet. Darüber hinaus seien in den Zigaretten nicht die Teile des Tabaks verwendet worden, die einen niedrigen Nikotingehalt hätten. Wegen Verfahrensstreitigkeiten hatte sich der Prozessbeginn 13 Jahre lang hingezogen.

Quelle: ORF, Welt, Euronews

Philip Morris mit Klage gegen Norwegen abgeblitzt

Der Tabakkonzern Philip Morris hatte im Jahr 2010 den Staat Norwegen wegen seiner Tabakgesetze bei der EFTA verklagt. Im September 2011 bekam Norwegen von der EFTA recht und muss keine Entschädigungszahlungen an den Tabakkonzern leisten. In Norwegen ist das sichtbare Ausstellen von Tabakprodukte seit 2010 verboten. Tabakprodukte müssen in verschlossenen Regalen aufbewahrt werden.

Zum Weiterlesen: Philip Morris verklagt Norwegen