Ein Glas Rotwein ist gesund. Wer kennt ihn nicht, diesen Mythos? Jedoch stimmt er nicht.
Alkohol hat negative Wirkung auf die Gesundheit. Je weniger man trinkt, desto besser ist es, raten medizinische Fachgesellschaften .
Moderates Trinken gut aussehen lassen
Die Alkoholindustrie jedoch fördert Mythen über die relative Unschädlichkeit von Alkohol. Das zeigt eine Dokumentation des Senders ARD. Sie hält das Bild aufrecht, es gäbe unschädlichen und risikolosen Konsum.
So werden systematisch Studien so interpretiert, dass sie das sogenannte „moderate“ Trinken gut aussehen lassen. Manche dieser Studien wurden auch von der Industrie selbst finanziert, sind also nicht neutral.
„Dirty little secrets – Warum wir immer weiter trinken“ analysiert das Lobbying der Alkoholindustrie. In vielen konkreten Beispielen wird aufgezeigt, welche Strategien die Industrie und ihr verbundene Gruppen anwenden, um Alkohol als relativ unschädlich dastehen zu lassen.
So agierte ein vermeintlich neutrales Institut „pro“ Alkohol, indem Studien im Sinne der Industrie interpretiert und Ärztinnen und Ärzte darüber informiert werden. Das Institut wurde von großen Alkohol-Herstellern finanziert.
Gegen gesetzliche Regulierungen
Beispiele dafür sind neutral auftretende Institutionen oder Initiativen, die sich gegen strengere Regulierung von Alkohol einsetzen. Stattdessen propagieren sie die Erzählung vom „maßvollen Trinken“ oder vom „gemäßigten Konsum“. Alkohol sei ein „Kulturgut“, das man nicht in Frage stellen und den Menschen nicht wegnehmen solle.
Nur „starkes Trinken“ gelte es zu verhindern, hierauf sei der Fokus zu legen, nicht auf „moderaten Konsum“, so Interessenverbände wie die „International Alliance for Responsible Drinking” (IARD). Die IARD wird von Unternehmen der Alkoholindustrie finanziert.
Politik beeinflussen
Die ARD-Serien beleuchtet auch den Einfluss der Alkoholindustrie auf politische Entscheidungen. So wird viel Geld für Lobbying in der Politik ausgegeben. Ziel ist, gesetzliche Regulierungen zu verhindern oder zu verzögern. Zudem versucht die Alkoholindustrie zu verhindern, dass Alkohol mit Sucht und mit sonstigen Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.
Die TV-Dokumentation „Dirty little secrets – Warum wir immer weiter trinken“ besteht aus drei Folgen: „In vino veritas“, „Die Alkoholflüsterer“ und „Prost, Berlin!“. Sie ist in der ARD-Mediathek bis 8.1.2027 abrufbar.
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Welche Strategien hat die Alkoholindustrie?
Eine Strategie ist, sogenanntes „moderates Trinken“ gut aussehen zu lassen. Alkohol soll nicht mit Gesundheitsschäden in Verbindung gebracht werden. Das zeigt die ARD-Dokumentation „Dirty little secrets“ gut auf.
Warum will die Alkoholindustrie verhindern, dass Alkohol als krank machend gilt?
So kann sie in der Politik gegen gesetzliche Regulierungen argumentieren. Die negativen Auswirkungen von Alkohol sind gut belegt. Das gilt auch dann, wenn man nur wenig Alkohol trinkt. Die Industrie will Alkohol als relativ unschädlich dastehen lassen. Mit diesem Argument versucht sie, gesetzliche Regulierungen zu verhindern, abzuschwächen oder zu verzögern.