Unternehmen, die Alkohol verkaufen, sowie deren Interessensvertretungen betonen häufig, sich für einen „verantwortungsvollen“ Alkoholkonsum einzusetzen. „Maßvolles Trinken“, „moderates Trinken“ und „verantwortungsvolles Trinken“ sind Schlagworte, die dafür gern verwendet werden.
Industrie propagiert „verantwortungsvolles Trinken“
Die Botschaft: Nur starkes Trinken und den „schädlichen Gebrauch“ gelte es zu reduzieren. „Maßvolles Trinken“ von Erwachsenen hingegen solle man nicht verändern. So kommuniziert es etwa der Verband „International Alliance for Responsible Drinking” (IARD), eine Interessensvertretung von Unternehmen der Alkoholindustrie, die „verantwortungsvolles Trinken“ sogar in ihrem Namen trägt.
Mit wem aber macht die Alkoholindustrie ihr Geschäft? Wer bringt den meisten Umsatz? Das berechnete eine Studie für Deutschland. Die Berechnungen beziehen sich auf Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren.
Basierend auf der Menge des konsumierten Alkohols wurden vier Trink-Gruppen gebildet: abstinent, niedrig riskanter Konsum, riskanter Konsum und hochriskanter Konsum. Als abstinent galten alle, die in den letzten zwölf Monaten keinen Alkohol getrunken hatten. Die Einstufungen in Risiko-Gruppen erfolgten nach der Menge des Alkoholkonsums in den letzten 30 Tagen. Die Menge wurde in Reinalkohol umgerechnet, da unterschiedliche alkoholische Getränke unterschiedlich viel Alkohol enthalten.
Hälfte des Umsatzes von denen, die zu viel trinken
Die Gruppen, die am meisten trinken, bescheren der Alkoholindustrie den größten Umsatz. So geht die Hälfte des Alkoholumsatzes auf jene Gruppen zurück, die Alkohol im „riskanten“ und „hoch riskanten“ Bereich konsumierten:
14 Prozent des Alkoholumsatzes entfallen auf Personen mit sehr riskantem Konsum, obwohl nur 2 Prozent der Bevölkerung dieser Gruppe zuzuordnen sind. Sie bringen der deutschen Alkoholindustrie jährlich rund 4,12 Milliarden Euro. Weitere 36 Prozent des Umsatzes (1,59 Milliarden Euro) kommen von Personen mit riskantem Konsum. 13 Prozent der Bevölkerung fallen in diese Gruppe.
Nur die Hälfte des Alkohols wird an Menschen verkauft, die „niedrig risikant“ trinken, also an jene, die die Alkoholindustrie offiziell zu erreichen vorgibt. Dementsprechend sehen die Autor*innen der Studie einen Konflikt zwischen dem selbsterklärten Engagement der Industrie zur Prävention von Gesundheitsschäden und ihren kommerziellen Interessen
Vier Prozent Trinker bringen 23 Prozent Umsatz
Davor hatten bereits andere Studien gezeigt, dass die Alkoholindustrie einen unverhältnismäßig hohen Anteil ihrer Gesamteinnahmen von denen bekommt, die die größten Mengen an Alkohol konsumieren: So zeigt eine Studie, dass der Anteil an Alkohol, der durch Rauschtrinken konsumiert wurde, in verschiedenen Ländern zwischen 50 und 76 Prozent liegt. Rauschtrinken gilt als die risikoreichste Konsumform von Alkohol.
Eine andere Studie zeigt, dass nur rund ein Drittel des Konsums (32 Prozent) auf sogenannten „moderaten“ (also risikoarmen) Konsum entfallen. Die vier Prozent der Bevölkerung, die am meisten Alkohol trinken, bescheren der Industrie demnach knapp ein Viertel (23 Prozent) ihres Gesamtumsatzes.
Die Studien wurden in verschiedenen Ländern mit verschiedenen Methoden durchgeführt. Dennoch haben sie ein ähnliches Ergebnis: Mindestens die Hälfte des Umsatzes macht die Alkoholindustrie mit Menschen mit problematischem Trinkverhalten. Viele von ihnen sind suchtkrank. Den von ihr selbst kommunizierten Fokus auf Menschen mit nur wenig riskantem Konsum erfüllt die Alkoholindustrie nicht.
Auch in Österreich Hauptgeschäft mit problematischen Trinker*innen
In Österreich zeigt sich dasselbe Muster: 15 Prozent der Bevölkerung trinken „problematisch“, ein Teil von ihnen ist alkoholabhängig. Diese 15 Prozent trinken 69 Prozent des Alkohols, der in Österreich verkauft wird. Diese ungleiche Verteilung zeigt das Handbuch Alkohol auf.
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Womit macht die Alkoholindustrie das meiste Geschäft?
Den größten Umsatz macht die Alkoholindustrie mit Menschen, die sehr viel Alkohol konsumieren. Man nennt das „riskant“ oder „hochgradig riskant“ trinken. Obwohl diese Gruppe in der Bevölkerung nur rund 15 Prozent ausmacht, beschert sie der Industrie rund 50 Prozent des Umsatzes.
An wen richtet sich die Alkoholindustrie offiziell?
Die Alkoholindustrie gibt vor, Menschen erreichen zu wollen, die nur wenig Alkohol trinken. Sie spricht von „verantwortungsvollem Trinken“ und gibt vor, Gesundheitsschäden verhindern zu wollen. In Wirklichkeit macht sie ihr Hauptgeschäft jedoch mit Menschen, die ein Problem mit Alkohol haben oder von ihm abhängig sind.
Unternehmen, die Alkohol verkaufen, sowie deren Interessensvertretungen betonen häufig, sich für einen „verantwortungsvollen“ Alkoholkonsum einzusetzen. „Maßvolles Trinken“, „moderates Trinken“ und „verantwortungsvolles Trinken“ sind Schlagworte, die dafür gern verwendet werden.