Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den ersten weltweiten Bericht über Nikotinbeutel veröffentlicht. Sie tat das anlässlich des Weltnichtrauchertags 2026.
Im Bericht Exposing marketing tactics and strategies driving the growth of nicotine pouches stellt die WHO die Problematik der Nikotinbeutel dar: Diese Suchtmittel wurden im Jahr 2024 über 23 Milliarden Mal verkauft. Das entspricht gegenüber 2023 einem Anstieg um das Doppelte.
Laut Tobacco Control Research Group verkaufte die Nikotinindustrie 34 Milliarden Dosen Nikotinbeutel im Jahr 2025, was im Vergleich zu 2020 einem Anstieg um 660 Prozent entspricht. Österreich zählt demnach zu den Top-Märkten, in denen anteilig zur Bevölkerung besonders viele Nikotinbeutel verkauft werden und das Wachstum besonders groß ist.
Marketing für junge Zielgruppen
Die Marketing-Strategien zielen besonders auf junge Menschen ab. So werden Nikotinbeutel in sozialen Medien häufig von jungen Influencer*innen beworben oder in Zusammenhänge gestellt, die für junge Menschen besonders relevant sind: Zeit mit Freundinnen und Freunden verbringen, Freiheit, verliebt sein, Grenzen austesten.
Beim Sponsoring werden Nikotinbeutel vor allem auf jenen Veranstaltungen eingesetzt, die sich an junge Menschen richten. So sponsert die Industrie Festivals, Konzerte und Sport-Events, die Jugendliche und junge Erwachsene als Zielgruppe haben.
Werbung mit „diskretem Konsum“
Im Vergleich zu allen anderen Nikotinprodukten können Nikotinbeutel am verstecktesten und geheimsten konsumiert werden. Auch das bewirbt die Nikotinindustrie: Sie betont in der Werbung den „diskreten Konsum“ und das Geheime und Grenzüberschreitende, das durch Nikotinbeutel möglich sei. Schließlich sei für andere nicht sichtbar, was man gerade tue. Auch dieser Aspekt ist laut WHO für junge Menschen besonders attraktiv. Die Botschaft ist, man solle sie in Situationen konsumieren, in denen man nicht rauchen darf, etwa im Hörsaal der Uni, im Zug oder beim Familienfest.
Eine Besonderheit von Nikotinbeuteln sind darüber hinaus die vielfältigen Aromen: Von Süßigkeiten über Menthol bis zu Frucht reicht das Spektrum, das mit unschädlich wirkenden Namen wie Cherry Punch, Frosted Apple, Bubble gum und Gummy bear am Markt ist.
So viel Nikotin wie mehrere Zigaretten
Analysen der WHO zeigten einen teilweise sehr hohen Nikotingehalt von Nikotinbeuteln. Am Weltmarkt sind Beutel mit bis zu 150 Milligramm erhältlich. Das entspricht dem Nikotingehalt von zwölf Zigaretten. In Deutschland sind Nikotinbeutel mit bis zu 48 Milligramm Nikotin am Markt, stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung fest.
Mit Stand März 2026 sind Nikotinbeutel weltweit die am wenigsten und schlechtesten regulierten Nikotinprodukte. 16 Länder haben ihren Verkauf verboten, darunter Deutschland. 32 Länder haben sie in irgendeiner Form reguliert, etwas durch Jugendschutz, ein Verbot von Werbung und Sponsoring oder einem Verbot charakteristischer Aromen.
Gesetzliche Situation in Österreich
In Österreich ist eine Novelle des Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutz (TNRSG) im Gange. Ab August 2026 sollen damit auch erstmals Nikotinbeutel erfasst sein.
Laut Gesetzesentwurf sollen dann einem Nikotinbeutel bis zu 16,6 Milligramm Nikotin erlaubt sein. Das ist mehr Nikotin als für konventionelle Zigaretten legal ist. Werbung und Sponsoring werden erst mit 2028 verboten.
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