Nikotinbeutel im Hörsaal

Wie und warum konsumieren Studierende Nikotinbeutel? Das beantwortet eine Studie von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention und Karl-Franzens-Universität Graz. Wichtige Konsum-Motive sind Praktikabilität und Stressregulation. Das hohe Suchtpotenzial ist den meisten Studierenden bekannt.

Steirische Studie

Für Schüler*innen liegen bereits Daten zur Verbreitung von Nikotinbeuteln vor, für Studierende bislang kaum. Diese Lücke wurde nun mit einer Studie in der Steiermark geschlossen, die VIVID – Fachstelle für Suchtprävention gemeinsam mit Soziologinnen der Universität Graz durchführte.

Konsumieren Studierende Nikotinbeutel? Wenn ja, wie häufig, wie lange schon und vor allem aus welchen Gründen? Konsumhäufigkeit, Konsummotive, typische Konsumsituationen sowie Einstellungen gegenüber diesem modernen Nikotinprodukt standen im Zentrum der Befragung.

Fast ein Viertel der befragten Studierenden konsumiert regelmäßig Nikotinbeutel

Die Ergebnisse zeigen, dass Nikotinbeutel unter den befragten Studierenden weit verbreitet sind: Mit 23,1 Prozent konsumiert fast ein Viertel der Stichprobe diese regelmäßig. Davon konsumiert ein Großteil sogar täglich Nikotinbeutel: 17,7 Prozent der befragten Studierenden geben täglichen Konsum an.

Zum Vergleich: 7,7 Prozent berichten von täglichem Konsum konventioneller Zigaretten und 4,0 Prozent von täglichem Rauchen von E-Zigaretten. Es ist allerdings anzunehmen, dass überdurchschnittlich viele Studierende, die Nikotinbeutel konsumieren, aufgrund ihres Bezugs zum Umfragethema daran teilgenommen haben.

Besonders häufig werden Nikotinbeutel von männlichen sowie von jüngeren Befragten verwendet. Unterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen konnten hingegen nicht festgestellt werden.

Nikotinbeutel-Konsum wird häufig vor anderen verborgen

Der erste Kontakt mit Nikotinbeuteln erfolgt fast ausschließlich im nahen sozialen Umfeld: 82,1 Prozent geben an, über Freund*innen mit Nikotinbeuteln in Kontakt gekommen zu sein.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass zwei Drittel der aktuellen Konsument*innen nicht wollen, dass bestimmte Menschen in ihrem Leben davon wissen. Sie verbergen ihren Konsum vor bestimmten Personengruppen – insbesondere vor Familienangehörigen oder Lehrpersonen.

Gründe dafür sind unter anderem Angst vor Verurteilungen und Konflikten. Außerdem wollen sie ein positives Selbstbild aufrechterhalten und im universitären Kontext professionell auftreten. Dies deutet darauf hin, dass Nikotinbeutel zwar im Freundeskreis weitgehend akzeptiert sind, in anderen sozialen Kontexten jedoch kritisch wahrgenommen werden.

In diesem Zusammenhang ist spannend, dass gerade die Nikotinindustrie mit diskretem Konsum wirbt, der geheim und überall möglich ist. Dies kritisiert auch ein aktueller WHO-Bericht über Nikotinbeutel.

Häufig eingesetzt, weil sie praktisch sind

Wie konventionelle Tabak- und Nikotinprodukte werden Nikotinbeutel häufig zur subjektiven Stressbewältigung und Leistungssteigerung eingesetzt. Studierende haben den Eindruck, sie würden ihnen Stress nehmen.

Von noch größerer Bedeutung sind jedoch die praktischen Eigenschaften von Nikotinbeuteln. Vor allem zwei Aspekte machen sie für Studierende attraktiv: dass sie geheim konsumiert werden können und dass ihre Verwendung nahezu überall möglich ist.

Praktische Aspekte sind das wichtigste Konsummotiv, warum die befragten Studierenden Nikotinbeutel konsumieren. Dementsprechend berichten viele von einer Nutzung in den unterschiedlichsten Alltagssituationen, etwa beim Lernen, in öffentlichen Räumen mit Rauchverbot, beim Fernsehen oder nach dem Essen.

Zusammenhang zwischen Alkohol und Nikotin

Wer angibt, Nikotinbeutel „gelegentlich, aber nicht täglich“ zu konsumieren, tut dies häufiger in sozialen Kontexten. Hier wird etwa der Konsum beim Fortgehen in Bars oder Clubs berichtet. Von täglich Konsumierenden werden nahezu alle abgefragten Konsumsituationen – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen – als relevant angegeben.

Auffällig ist zudem ein klarer Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener Nikotinprodukte und erhöhtem Alkoholkonsum. Demnach trinken Befragte, die Nikotinprodukte konsumieren, häufiger Alkohol als jene, die das nicht tun.

Insgesamt hohes Bewusstsein für Abhängigkeitspotenzial

Bezüglich eines Aspekts unterscheiden sich jene, die Nikotinbeutel konsumieren kaum von jenen, die das nicht tun: Beide Gruppen haben ein sehr hohes Gesundheitsbewusstsein. Egal ob Konsum oder nicht, die Gesundheit hat einen sehr hohen Stellenwert.

Gleichzeitig werden Nikotinbeutel von ihren Nutzer*innen häufiger als weniger gesundheitsschädlich eingeschätzt als andere Nikotinprodukte. Damit können sie innerlich trotz ihres Konsums ihr hohes Gesundheitsbewusstsein aufrechterhalten.

Während das gesundheitliche Risiko von Nikotinbeuteln vergleichsweise gering bewertet wird, schätzen die meisten Befragten das Abhängigkeitspotenzial als hoch ein. So erfährt die Aussage „Nikotinbeutel (Snus) bergen ein hohes Risiko, dass man davon abhängig wird“ bei den befragten Studierenden sehr hohe Zustimmung.

Die Befragung wurde online an 623 Studierenden der fünf größten steirischen Universitäten bzw. Hochschulen durchgeführt. Sie fand im Frühling 2026 statt.

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